Wir wollen jedes Kind, das nach der Grundschule zu uns kommt, aktiv darin unterstützen, einen guten Einstieg in das Gymnasium zu finden, zu wachsen, sich entsprechend der eigenen Persönlichkeit und Begabung zu entwickeln und gemeinsam mit anderen in der Klasse Bildung zu entdecken. Dazu betrachten wir die Jahrgangsstufen 5 und 6 unter dem Leitgedanken „ankommen – sich orientieren – durchstarten“ als eine pädagogische Einheit.

Merkmale und Ziele der Eingangsstufe

Die Aufnahme in die Eingangsstufe (= Klasse 5 und 6) erfolgt durch die Aufnahme an der Albert-Schweitzer-Schule nach Abschluss des vierten Grundschuljahrgangs. Die Schülerinnen und Schüler kommen aus dem kleinen, überschaubaren System der Grundschule. Der Wechsel in die große fremde Schule ist mit physischen und psychischen Anstrengungen verbunden. Für alle Kinder gilt es, ihren Platz in der neuen Gemeinschaft zu finden. Hierbei erscheint es wichtig, ihnen sowohl für die äußere als auch die innere Integration Zeit und Zuwendung zu geben.

Deshalb wird der personale Bezug – der die Arbeit in der Grundschule prägt – in der Eingangsstufe weitergeführt, soweit dies möglich ist. Besonders den Klassenlehrerinnen und -lehrern kommt daher in der Eingangsstufe in Zusammenarbeit mit den Eltern die Aufgabe zu, die Kinder in die zentralen schulischen Strukturen und Gegebenheiten einzuführen und sie pädagogisch in der Eingangsstufe zu begleiten.

Pädagogisch-didaktisches Konzept

Ausgehend von ihrer natürlichen Lern- und Leistungsbereitschaft, ihrer kindlichen Neugierde und ihrer Entdeckerfreude sollen die Kinder die Möglichkeit haben, an ihrer neuen Schule von Beginn an das Lernen zu lernen und zur Selbstständigkeit befähigt zu werden, damit die Lernprinzipien des Forschens, Entdeckens und Entwickelns erfolgreich umgesetzt werden können und die Kinder mit Freude und Motivation lernen. Dabei wollen wir bewusst auf den inhaltlichen und methodischen Fähigkeiten aufbauen, die die Schülerinnen und Schüler aus der Grundschule mitbringen. Wünschenswert sind hierfür der enge Kontakt und Austausch mit den Grundschulen. Gegenseitige Hospitationen und der regelmäßige Austausch über Fächerinhalte und Arbeits- sowie Lernmethoden können die Basis für eine gelungene „Brücke“ bilden.

Angesichts sich ändernder Rahmenbedingungen in Familie und Gesellschaft ist es dringend notwendig, neben der Vermittlung von Fachwissen die Schülerinnen und Schüler zu mehr eigenverantwortlichem Lernen und zur Arbeit im Team zu erziehen, um so die Lernmotivation und die Lernfähigkeit für den lebenslangen Lernprozess zu gewährleisten.

So ist das Konzept dahingehend aufgebaut, dass wir mit Beginn des 5. Schuljahres im Fachunterricht ausgewählte Lern- und Arbeitstechniken einführen und immer wieder trainieren. Ebenso ist von Anfang an ein gezieltes Erarbeiten und Umsetzen von Regeln und Verhaltensmustern zum Training der Sozial- und Kommunikationskompetenz notwendig.

Da wir das Lernen als einen ganzheitlichen Prozess auffassen, der sowohl kognitive als auch emotionale und physische Fähigkeiten und Voraussetzungen in sich vereint, ist es unser Ziel, eine angenehme Lernumgebung zu schaffen.

Diese Ansätze sollen dazu beitragen, eine angstfreie, wertschätzende und somit motivierende Lernatmosphäre zu schaffen, in der die Kinder ihre volle Leistungsfähigkeit entwickeln und so die Chancen einer Eingangsstufe wirklich nutzen können. Die großen individuellen Unterschiede in der persönlichen Geschichte der Kinder, ihrer Vorerfahrungen im schulischen Bereich sowie ihrer Stärken und Schwächen nehmen wir bewusst wahr. Auf ihnen wollen wir in der Eingangsstufe aufbauen, sie so weit es geht für die Gruppe nutzbar machen. Sie bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Integration an der Albert-Schweitzer-Schule, an der wir die Vielfalt schätzen und fördern.

Zu den besonderen Chancen der Eingangsstufe gehören auch die zahlreichen Förderangebote, die die Schülerinnen und Schüler in Anspruch nehmen können, falls sie Unterstützung in einem oder mehreren Fächern benötigen sollten, um den Ansprüchen des gymnasialen Bildungsgangs gerecht zu werden. Die individuellen Interessen und Stärken der Schülerinnen und Schüler greifen wir auf und helfen, sie weiter zu entwickeln. Im Regelunterricht geschieht dies zum Beispiel im Rahmen unserer Spezialklassen (Sport und Naturwissenschaften) oder des bilingualen Unterrichts ab Klasse 5.

Im Rahmen freiwilliger Unterrichtsangebote bieten wir auch schon für die Eingangsstufe eine große Zahl von AGs und die Teilnahme an unterschiedlichen Wettbewerben an.

Klassenlehrerteam

Eine zentrale Veränderung beim Übergang an die weiterführende Schule ist der Wechsel vom Klassenlehrerprinzip zum Fachlehrerprinzip. Um den Schülerinnen und Schülern weiterhin eine stabile Bindung zu einer Bezugsperson zu ermöglichen, werden die Klassen 5 und 6 von einer Klassenlehrerin und deren Stellvertreter oder einem Klassenlehrer und dessen Stellvertreterin geleitet, so dass nach Möglichkeit jeweils mindestens eine weibliche und männliche Lehrkraft pro Klasse eingesetzt sind. Sie sollen die Klasse gemeinsam mindestens bis zum Ende der Klasse 6 begleiten, unterrichten die Kinder in vielen Stunden und können durch gemeinsame Rituale und Regeln in Abstimmung mit der Klassenkonferenz eine klare Struktur vorgeben und somit die Orientierung und Eingewöhnung erleichtern. Unterstützt werden sie dabei durch Schülerpatinnen und Schülerpaten aus höheren Klassen. Durch die Tatsache, dass zwei verschiedene Lehrerpersönlichkeiten und die Patinnen und Paten sich um die Schülerinnen und Schüler bemühen, ist zu erwarten, dass sich für jedes Kind eine passende Ansprechpartnerin bzw. ein passender Ansprechpartner findet.

Die Klassenlehrer/Klassenlehrerinnen:

  1.  sorgen für die Entwicklung einer guten Klassengemeinschaft – diese ist für das Einleben in der neuen Schule von großer Bedeutung.
  2. informieren zusammen mit den in der Klasse unterrichtenden Lehrkräften Schülerinnen und Schüler sowie Eltern über die Arbeit in der Eingangsstufe und die Unterrichtsinhalte der einzelnen Klassenstufen.
  3. beobachten und fördern in Zusammenarbeit mit den Fachlehrerinnen und -lehrern die Persönlichkeits-, Lern- und Leistungsentwicklung der einzelnen Schülerin / des einzelnen Schülers – auch im Hinblick auf eine mögliche Laufbahnkorrektur.
  4. initiieren und organisieren fächerverbindende, unterrichtliche und außerunterrichtliche Aktivitäten.
  5. pflegen intensiven Kontakt mit den Erziehungsberechtigten.

Klassenlehrerstunde

Allen fünften und sechsten Klassen steht pro Woche eine Klassenlehrerstunde zur Verfügung.
Für deren konkrete Ausgestaltung werden aktuell verschiedene Konzepte erprobt und evaluiert.

Fördermaßnahmen und Einsatz von Beratungslehrer/innen

Gestützt durch externe Diagnoseinstrumente werden insbesondere in der sechsten Klasse Analysen der Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schüler in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik vorgenommen. Daraus resultierend erhalten die Schülerinnen und Schüler individuelles Lernmaterial zur Förderung von Stärken und/oder Kompensation von Schwächen.

In der kompletten Eingangsstufe wird Förderunterricht in den Fächern Deutsch und Mathematik sowie in der Fremdsprache angeboten. Mit dem Förderunterricht sollen insbesondere  vorübergehende Lücken einzelner Schülerinnen und Schüler geschlossen werden. Grundlegende Schwierigkeiten im Fach Deutsch können eine längere Teilnahme über die Eingangsphase hinaus erforderlich machen, wobei die Bereitschaft, auch außerhalb der Schule zu lesen, sich positiv auswirkt. Die gleichzeitige Teilnahme an Förderkursen in drei Fächern ist nicht zulässig – der Förderunterricht darf nicht die Funktion von Nachhilfestunden erhalten.

Der Tätigkeit der Beratungslehrer/innen kommt in der Eingangsstufe neben der Beratung durch den Klassenlehrer oder die Klassenlehrerin besondere Bedeutung zu, um gegebenenfalls trotz der Fördermaßnahmen erforderliche Korrekturen der Schullaufbahn durch (gezielte) Beratung der Eltern zu erleichtern.

Zusätzliche Förderung im Fach Deutsch

Im Fach Deutsch wird in der Jahrgangsstufe 5 und 6 eine zusätzliche Stunde Unterricht erteilt, die in besonderem Maße der individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler dienen soll.

Kontakt zwischen Schule und Elternhaus

In der Eingangsstufe ist ein enger Kontakt zwischen Schule und Elternhaus erforderlich. Zum Wohle der Kinder wird mit den Eltern eine aktive Erziehungspartnerschaft gelebt, in der beide Seiten Verpflichtungen eingehen, die auch im Rahmen der Erziehungsvereinbarung festgehalten sind. Lehrkräfte und Eltern tauschen sich über den Leistungs- und Entwicklungsstand der Kinder aus und treffen gemeinsam Absprachen über praktikable und sinnvolle Fördermaßnahmen sowohl in der Schule als auch im Elternhaus. Dies gilt sowohl für fachliche als auch für überfachliche Kompetenzen.

Durch verstärkte Information und Beratung der Erziehungsberechtigten sowie durch Informationen, die die Erziehungsberechtigten der Schule über die Entwicklung ihrer Kinder geben können, können optimale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schullaufbahn geschaffen werden. Ein wichtiges Instrument zur Förderung des Entwicklungs- und Lernprozesses ist an unserer Schule das Lernentwicklungsgespräch, in dem Probleme diagnostiziert, Wege zu deren Lösung aufgezeigt und klare Ziele und Maßnahmen festgelegt werden. Darüber hinaus können in diesen Gesprächen auch bestehende Lernerfolge aufgezeigt werden.

Diese Gespräche werden von den Lehrerinnen und Lehrern oder den Eltern oder einer Schülerin / einem Schüler angeregt und gemeinsam durchgeführt, wobei die Schülerin / der Schüler wesentliche Gesprächsanteile übernimmt. Ziel ist es nicht nur, Schwächen der Schülerin / des Schülers auszugleichen, sondern auch Stärken und besondere Begabungen zu fördern.

Schullaufbahnempfehlung; Schullaufbahnkorrektur

Am Ende eines Schulhalbjahres der Eingangsstufe kann eine Bildungsempfehlung ausgesprochen werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn erwartet werden kann, dass eine Schülerin oder ein Schüler den Anforderungen an der Albert-Schweitzer-Schule nicht mehr entsprechen kann (hierbei orientiert sich die Klassenkonferenz an der Versetzungsordnung).

Jeweils am Ende der Klasse 5 und Klasse 6 erfolgt eine Versetzungsentscheidung. Neben Überlegungen zu fachlichen Leistungen beziehen wir insbesondere in Klasse 5 verstärkt pädagogische Überlegungen zu Persönlichkeits- und Leistungsentwicklung der Schülerinnen und Schüler in die Entscheidung über eine Versetzung mit ein.

Ist trotz erfolgter Fördermaßnahmen am Ende des ersten Schulhalbjahres von Klasse 6 abzusehen, dass eine Schülerin / ein Schüler den Anforderungen in den Folgejahren voraussichtlich nicht gerecht werden kann, erfolgt eine Beratung durch die Klassenlehrerin / den Klassenlehrer und den Schullaufbahn-Beratungslehrer hinsichtlich eines Schulformwechsels. Nötigenfalls entscheidet die Klassenkonferenz bei Nicht-Versetzung in Klasse 6 bzw. 7 auch über eine Querversetzung in eine andere Schulform.

Gesamtkonferenzbeschluss vom 6. November 2014

[Knö – 8/2017]