Benefizkonzert mit Albert Schweitzers Enkelin an der ASS

Johann Sebastian Bachs Musik, so erzählte Christiane Engel, die Enkelin Albert Schweitzers, in ihrer eindringlichen Ansprache vor den zahlreichen konzentrierten Zuhörern in der Alten Halle der ASS, zeichne sich durch große Ernsthaftigkeit und Religiosität aus. Mozart wiederum schaffe es, weltliche und unterhaltende Elemente mit Tiefgang zu verbinden.

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So standen Werke dieser beiden großen Komponisten im Zentrum eines Benefizkonzertes, das Christiane Engel am Freitag, 30. August 2013 in unserer Schule gemeinsam mit dem Orchester der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau unter der Leitung von Björn Hadem gestaltete.

Der Erlös des Benefizkonzertes, bei dem alle Musiker honorarfrei mitwirkten, ist zur Unterstützung des Albert-Schweitzer-Spitals in Lambarene bestimmt.

Auf dem Programm stand neben dem Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 in f-Moll (BWV 1056) von Bach auch das Klavierkonzert Nr. 23 in A-Dur (KV 488) von Mozart, das von dem engagierten Orchester unter dem lebhaften und inspirierenden Dirigat seines Leiters und der virtuos und sensibel musizierenden Pianistin dargeboten wurde und das Publikum verzauberte.

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Die Bewunderung und Begeisterung, mit der die Pianistin von ihrem Großvater Albert Schweitzer erzählt, lassen seine Gedanken und sein Wesen unmittelbar spürbar werden.

Vor hundert Jahren gründete der Arzt, Theologe, Philosoph, Musiker und Humanist das Urwaldspital in Lambarene im afrikanischen Gabun. „Mein Großvater war kein theoretischer Philosoph, sondern einer mit ‚Schwielen an den Händen‘, wie er es selbst formulierte.“ Christiane Engel ist selbst Ärztin und darüber hinaus auch eine renommierte Konzertpianistin. Darin eiferte sie ihrem Großvater Albert Schweitzer nach.

Mit 16 Jahren war Christiane Engel, drittes Kind der einzigen Tochter Albert Schweitzers, das erste Mal bei ihrem Großvater in Lambarene. Das war 1958 und sie stand kurz davor, ihr Musikstudium am Konservatorium in Zürich zu beginnen. „Ich war ein unsicherer Teenager auf der Suche nach einem echten Sinn, nach einer glaubwürdigen Religion, in der Harmonie zwischen Wort und Tat besteht.“

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In Afrika erlebte sie Schweitzer in Harmonie mit der Natur. Seine Maxime „Ehrfurcht vor dem Leben“ sah die Enkelin hier beispielhaft verwirklicht. Der Eindruck, den Albert Schweitzers Arbeit auf die junge Christiane Engel machte, lebt bis heute fort. Ihr erster Besuch in Äquatorialafrika führte dazu, dass sie sich nicht nur zur Konzertpianistin, sondern auch zur Ärztin ausbilden ließ.

„Mein Großvater hatte eine starke Ausstrahlung, bewahrte sich trotz seiner intellektuellen Größe ein bescheidenes Wesen“, fuhr Christiane Engel fort und erzählte davon, wie er ihr eine erste Lektion über die Ehrfurcht vor dem Leben erteilte: Es war eine kleine Geste in einem für ihn so zentralen Thema: „Auf einem Spaziergang mit mir bückte er sich, hob einen Regenwurm von der Straße auf und legte ihn behutsam neben den Weg ins Gras.“ – Eine so einfache, doch einprägsame Geste eines bedeutenden Humanisten.

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Als weiteren Höhepunkt des einmaligen Konzertabends sang die erst 20-jährige Sopranistin Laura Cromm eine der beeindruckendsten virtuosen Kantaten für Koloratur-Sopran: Wolfgang Amadeus Mozarts Motette „Exsultate, jubilate“ (KV 165) für Sopran und Orchester.

Die junge Sängerin wurde in Tübingen geboren und studiert dort Musikwissenschaft. Ihre musikalische Ausbildung begann sie bereits im Alter von vier Jahren mit der Violine. Weitere Stationen ihrer Ausbildung führten sie nach Trossingen und Winterthur. Auch als Pianistin war sie bereits erfolgreich. In Kürze wird sie ihr Musikstudium in Frankfurt fortsetzen.

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Umrahmt wurde der festliche Konzertabend nach einer Begrüßung des Hausherrn, Herrn U. Schmidt (Leiter der Albert-Schweitzer-Schule) von den Grußworten des Offenbacher Stadtrates Stephan Färber und des Vorsitzenden des „Deutschen Hilfsvereins für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene e.V.“, Herrn Dr. Einhard Weber.

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Auf ganz besondere Weise hat sich eine ehemalige ASS-Schülerin das Vermächtnis Albert Schweitzers gewidmet: Dr. Saskia Morgenstern (Sprecherin von „Ärzten für Afrika e.V.“) berichtete von ihren eigenen Erfahrungen als Medizinerin, die unter schwierigen Umständen in Afrika für die notwendige medizinische Versorgung der Bevölkerung sorgte. „Wenn der Regen auf dem Wellblechdach so laut prasselt, dass die OP-Schwester nicht mehr verstehen kann, nach welchem Instrument ich als Operateurin frage, dann wird einem bewusst, was Albert Schweitzer vor 100 Jahren geleistet hat“, beschrieb sie die widrigen Umstände in Afrika. Seinerzeit stand Schweitzer nicht einmal elektrisches Licht zur Verfügung.

Tief bewegt von dem gemeinsamen Konzerterlebnis ließen die beiden Solistinnen Christiane Engel und Laura Cromm (diesmal auf der Violine) und das Orchester als Zugabe Bach-Gounods „Ave Maria“ erklingen und entließen damit ein nachdenkliches, aber auch durch die Musik und die neuen Eindrücke beseeltes und beglücktes Publikum in die laue Sommernacht. Der Nachhall dieses einzigartigen Ereignisses war noch lange zu spüren…

[Lm, 9/2013]

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