Der Q3-Kurs Darstellendes Spiel (DSP) präsentierte am 4. und 5. Februar 2015 um 20 Uhr im Raum C014 der ASS-Offenbach eine szenische Collage mit dem Titel „Liebes Publikum, #wiesiewissen“.

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Sowohl das junge als auch das erwachsene Publikum, das sehr zahlreich erschien, war von der darstellerischen Leistung der Spieler angetan.

Die Inszenierung behandelte eine Vielfalt von Themen, welche das elfköpfige Ensemble im Laufe des Produktionsprozesses inspiriert hatte. Es handelte sich dabei um Probleme und Aspekte, die das alltägliche Leben von Abiturienten prägen und begleiten.

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Darüber hinaus reflektierten die Darsteller immer wieder über die Produktionsbedingungen und den Probenprozess an sich. Das Ergebnis war eine Art Revue als „Meta-Theater,“ das zwischen Ironie und Ernst, Wirklichkeit und Fiktion unterhalten und zugleich irritieren will. Satirische, biografische, epische, postdramatische, choreografische und multimediale Elemente bildeten das Gerüst einer szenischen Collage, in der das Publikum vergebens nach einer vorgefertigten Dramaturgie des „roten Fadens,“ geschweige denn nach einer eindeutigen „Moral der Geschichte“ suchte. So appellierte das Ensemble an die Assoziationskraft der Zuschauer, an ihre Bereitschaft, selbst nach Bedeutung und Sinn der Inszenierung zu suchen. Denn schließlich, es war nicht nur „alles Mambo,“ was danach aussah.

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Von und mit: Shahzeb Ahmad, Meryem Balikci, Calvin Bandhauer, Yunus Candan, Diana Jasarovska, Patrycja Komin, Andrea Mayabu, Zara Mitrev, Muchtar Samadzay, Tereza Vokshi, Niklas Weyers

Special guest: Shimita Sikdar
Ton,- Bild und Videobearbeitung: C. Bandhauer u. N. Weyers
Beleuchtung: Clara Gehrunger, Alex Koshovy und Robin Günther.
Spielleitung: Dr. G. Biccari

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Im Anschluss an die zwei erfolgreichen Aufführungen reflektierten die Spieler ihre darstellerische Leistung im Rahmen eines Interviews. Die Fragen stellte der Spielleiter, Herr Dr. Biccari. Die beeindruckenden Bühnenfotos von Anton Lehmkuhl illustrieren das Ganze.

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1. Welche Absicht hatte eure Inszenierung?

Diana: In erster Linie wollten wir unsere Gefühle und Emotionen, was uns momentan bewegt, sowie auch unsere Zukunftspläne darstellen.

Shazheb: Darüber hinaus wollten wir auch die heutige Gesellschaft kritisieren.

Yunus: Wir wollten kein typisches Schultheater machen, sondern etwas anderes ausprobieren.

Patrycja: Uns waren Alltagsthemen wichtig, welche die Jugendlichen ansprechen und mit denen sie sich identifizieren können.

Tereza: Und wir wollten auch das Publikum verwirren, denn unsere Inszenierung war wie ein Mosaik.

Calvin: Ja, es gab viele Facetten in unserem Stück. Es war lustig, teilweise traurig und manchmal hatte das Publikum auch Angst.

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2. Wie war der Probenprozess?

Calvin: Die Proben haben insgesamt sehr viel Spaß gemacht.

Diana: Die Probezeit war sehr kreativ. Wir hatten keine Textvorlage und mussten deswegen viel ausprobieren. Das Material, das in den Proben entstanden ist, haben wir dann weiter entwickelt.

Shazheb: Wir haben viel Zeit in die Proben investiert. Die Szenen sind durch Improvisationen entstanden und darauf sind wir sehr stolz.

Meryem: Wir haben an den Wochenenden oder sogar in den Weihnachtsferien hier in der Schule geprobt, aber es hat sich sehr gelohnt, es hat viel Spaß gemacht.

Patrycja: Es war natürlich nicht sehr motivierend, am Wochenende in die Schule zur Probe zu kommen Aber je öfter man zusammen geprobt hat, umso mehr hatte man Lust weiterzumachen. Eigentlich sind die Proben das, was ich am meisten mitnehme.

Andrea: Wir waren recht produktiv, auch wenn wir am Anfang Bedenken hatten, über das, was wir gerade ausprobierten.

Tereza: Es war eine vielfältige Arbeit, die unsere 11 verschiedenen Persönlichkeiten gut repräsentiert.

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3. Gab es Momente, in denen ihr an das gute Gelingen eures Theaterprojektes gezweifelt habt?

Calvin: Ja, natürlich. Auch, weil wir manchmal bei den Proben nicht voll konzentriert waren.

Diana: Ja, besonders am Anfang. Da wir keine Stückvorlage hatten, fehlten uns manchmal die Ideen, aber mit der Zeit hat alles bestens geklappt.

Shazheb: Vor allem die Entwicklung der Monologe hat uns gezeigt, wie wichtig es war, konzentriert zu arbeiten, damit aus dem Ganzen etwas Konkretes wird.

Meryem: Ja, sogar während der Generalprobe hatte ich Zweifel am Endresultat.

Patrycja: Besonders am Anfang, als wir noch in der alten Halle geprobt haben, dachte man zum Teil, das ist pure Zeitverschwendung. Aber selbst noch am Tag der Uraufführung wussten wir nicht genau, wie das Stück ankommen würde.

Tereza: Es gab Momente des Zweifelns. Ich glaube, das ist normal. Auf das Endprodukt sind wir aber alle stolz.

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4. Hier habt ohne Textvorlage und zum Teil biografisch gearbeitet. Gab es wirklich biografische Elemente in eurer Produktion?

Calvin: Wir haben zum Beispiel unsere Monologe selbst geschrieben und inszeniert. Auf jeden Fall ist da von jedem von uns ein Teil drin.

Diana: Im Theater übertreibt man ja gerne, man macht alles viel größer, als es ist. Aber irgendwo ist ein Teil von der Person drin.

Shazheb: Es kommt darauf an, was man beim Publikum bewirken will. Es ist von Darsteller zu Darsteller anders. Ich zum Beispiel wollte vor allem das Publikum unterhalten und amüsieren.

Meryem: In meinem Monolog waren keine biografischen Elemente. Ich habe alles erfunden. Die Figur, die ich da gespielt habe, hat gar nichts mit mir zu tun.

Muchtar: Mein Monolog hat auf jeden Fall etwas mit mir zu tun. Es gibt Dinge dabei, die ich erlebt habe, und das macht, finde ich, unsere Monologe interessant.

Andrea: Ich kann mich mit der Figur meines Monologs nicht 1:1 identifizieren, aber da ist bestimmt auch irgendwas von mir. Vielleicht sogar das, was die anderen von mir sehen oder denken.

Tereza: Ich würde auch sagen, dass bewusst oder unbewusst biografische Elemente vorhanden sind. Mein Monolog ist zum Beispiel 100% biografisch, weil ich einfach das Innere nach außen tragen wollte. Vielleicht hat meine schauspielerische Leistung deswegen darunter gelitten. Aber mir selbst war es wichtig, meinen Monolog so zu gestalten.

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5. Welche Rolle spielen in eurer Arbeit Ironie und Satire?

Shazeb: Eine sehr wichtige Rolle, um eben die Gesellschaftskritik zu unterstreichen, die wir üben wollten. Ironie war für uns wie ein grundlegendes rhetorisches Mittel. Mit der Satire „Deutschland sucht den Super-Mann“ wollten wir zum Beispiel zeigen, dass heute nur die materiellen Dinge wichtig sind und die inneren Werte völlig ausgeblendet werden.

Patrycja: Ironie und Satire waren ein großer Bestandteil von unserem Stück. Es ist wichtig, ernste Sachen auch ironisch darzustellen, damit keiner sich persönlich angegriffen fühlt. Zum Beispiel Shazhebs Monolog hat auf lustige Weise ein Thema aufgegriffen, das dann mit Pegida sehr aktuell geworden ist und so hat er eine Kritik ausgeübt, die keinen verletzt hat.

Yunus: Ich habe mich als „türkischer Sänger“ selbst zum Affen gemacht. Das war aber gut, weil gerade dies das Publikum amüsiert hat. Auch die Werbespots hatten auf Türkisch für das Publikum eine Wirkung, die sie auf Deutsch nicht gehabt hätten.

Meryem: Ja, und so hat man auch die kulturelle Vielfalt von unserer Gruppe besser gezeigt.

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6. Welche waren für euch die Hightlights der Produktion?

Calvin: Für mich war „Deutschland sucht den Super-Mann“ ein Highlight, denn damit kann jeder was anfangen.

Diana: Der „türkische Sänger“ war etwas Besonderes und die Musik fand ich toll.

Shazheb: Auch für mich „Deutschland sucht den Super-Mann.“ Weil wir da viele Idee und Mittel eingebaut haben: Mediensatire, Komik, Videos, Tanz, Schlagzeug…

Meryem: Für mich waren die ganzen Tanzszenen zwischendurch Highlights. Sie haben dem Ganzen einen gewissen Pep gegeben.

Muchtar: „Deutschland sucht den Super-Mann“ war toll, andererseits war auch die Clubszene sehr gut, mit der Technik und so weiter.

Yunus: Die Clubszene ist sehr gut gelungen. Vor allem auch die Schlägerei, wegen der besonderen Beleuchtung.

Patrycja: Für mich war die Haftbefehl-Szene am Tollsten. Es gab schon das Foto auf dem Programmheft und das ist die Szene, worauf die meisten Zuschauer gespannt waren.

Andrea: Ich finde auch die Haftbefehl-Szene super, weil wir da die deutsche bzw. Offenbacher Hip-Hop-Kultur auf die Schippe genommen haben.

Tereza: Es ist schwer zu sagen, was ein Highlight war. Das ganze Stück bestand aus vielen kleinen – oder sagen wir: großen Highlights. Es waren viele außergewöhnliche Sachen dabei (der Sexy-Lehrer, die Tänzerin etc.) Und es war nicht so wie im klassischen Theater, wo Spannung aufgebaut wird und dann der Höhepunkt kommt.

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7. Ihr habt verschiedene Medien eingesetzt z. B. auch Videos. Welche Bedeutung haben die sogenannten „Videos hinter dem Vorhang“ im Rahmen der Inszenierung?

Calvin: Der Sinn von diesen Videos war für uns am Anfang ziemlich schwer zu verstehen. Als wir uns aber die Texte eingeprägt und dann die Videos gedreht haben, wurde uns klar, dass diese etwas mit „Theater“ zu tun haben, vor allem damit, wie sich ein Darsteller vor, während oder nach einer Aufführung fühlt.

Diana: Oder was ein Schauspieler über das Theater an sich denkt. Eine Kritik vielleicht auch.

Muchtar: Wir hatten eine Vorlage dafür, die recht komisch bzw. außergewöhnlich war.

Patrycja: Ja, das war der einzige Teil, bei dem wir eine Vorlage hatten und dies sollte für Verfremdung sorgen. Man kann die Videos sehr unterschiedlich interpretieren.

Tereza: Ich finde auch, dass die Videos einen großen Interpretationsraum öffnen. Meiner Meinung nach ist es eine Art „Theater im Theater,“ wie auch im Fall des „Palavers“ oder des Videos ganz am Anfang, wenn wir uns alle hinter der Bühne befinden.

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8. Wie habt ihr euch vor, während und nach dem Auftritt gefühlt?

Calvin: Vor allem vor der ersten Aufführung war ich extrem aufgeregt. Danach war ich glücklich, dass sie so gut angekommen ist.

Shazheb: Ich fand den ersten Auftritt wirklich hervorragend. Beim zweiten war ich ziemlich nervös und musste mich genau kontrollieren, um keine Fehler zu machen.

Meryem: Bei den Auftritten waren wir natürlich nervös. Aber mit der Zeit haben wir uns an die Präsenz des Publikums gewöhnt und wir wurden, wie bei den Proben auch, lockerer.

Muchtar: Es war immer Aufregung pur. Wir wussten echt nicht, wie das Stück ankommen wird und es war volles Haus. Wir hatten auch Angst davor, dass wir Fehler machen. Ganz kleine Fehler haben wir auch gemacht, aber die haben nur wir bemerkt.

Yunus: Am ersten Tag hatten wir alle einen Adrenalinkick und auch Angst, weil das Haus überfüllt war. Am zweiten Tag waren wir viel lockerer.

Patrycja: Vor der Aufführung war man aufgeregt, aber während des Spiels hat man wirklich genossen, dass das Publikum dabei war und dass wir alles zeigen könnten, was wir in der ganzen Zeit der Proben vorbereitet hatten. Danach waren wir alle so glücklich, dass man nicht schlafen konnte.

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9. Was würdet ihr weglassen, wenn ihr noch einmal spielen könntet?

Calvin: Das ist keine leichte Frage, weil da man nicht so viel weg lassen kann. Wenn ich aber etwas weg lassen müsste, dann würde ich Dinge weg lassen, die für das Publikum schwer zu verstehen sind. Also, dann die Videos hinter dem Vorhang und das „Palaver.“

Diana: Ich würde die Mambos weglassen, weil sie für mich keinen tiefgründigen Sinn haben.

Shazheb: Ich würde die Outtakes ganz am Ende weg lassen, weil sie viele Insider-Witze enthalten, die wir nur verstehen und das Publikum nicht genießen kann.

Meryem: Wenn absolut nötig, würde ich das meiste weglassen, was auf der Leinwand gezeigt wurde.

Muchtar: Wenn man sich unbedingt entscheiden müsste, dann würde ich das „Palaver“ oder den Bollywood-Tanz weg lassen.

Patrycja: Für mich wäre es schwer, etwas weg zu lassen. Gerade die „Palaver“-Szene ermöglicht z. B. einen Einblick in unseren Produktionsprozess.

Andrea: Ich würde auch nicht die „Palaver“-Szene oder gar die Mambos weg lassen, weil gerade sie unserem Stück etwas Einzigartiges verleihen. Ich habe kaum Stücke an dieser Schule gesehen, in denen Schauspieler und Zuschauer einen Einblick in den Produktionsprozess bekommen. Ich finde, das gesamte Paket stimmt so und man sollte es deswegen auch so lassen.

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Dr. G. Biccari
[Bic – 2/2015]