Wie eine Betriebserkundung für eine Schülerin zu etwas Besonderes wurde

Am Morgen hatte sie noch an einer Betriebserkundung bei der Stadt Offenbach teilgenommen, nachmittags saß Evrim Gültekin, Schülerin der Albert-Schweitzer-Schule, schon am Schreibtisch und schrieb ihre Bewerbung für das Schülerpraktikum. Dass die Teilnahme an der freiwilligen Erkundung des Projekts JUMINA sie so stark motivieren würde, hätte die Schülerin mit türkischen Wurzeln nicht gedacht. „Heute wurde eine große Tür für meine Zukunft geöffnet.“

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Der Erkundung vorausgegangen war die Beschäftigung mit den eigenen Wurzeln, den versteckten Kompetenzen und der Frage, wie man diese Schätze gezielt für die berufliche Zukunft nutzen kann. Um dies auch praktisch zu veranschaulichen durften die Schüler parallel an Betriebserkundungen mit interkulturellem Schwerpunkt teilnehmen. Eine dieser Erkundungen führte zehn Gymnasiasten ins Offenbacher Rathaus. „Wir haben uns für diese Erkundung angemeldet…“, sagt Evrim Gültekin, „… weil wir einen Blick auf die Abläufe der Stadtverwaltung werfen und ein neues Berufsfeld kennen lernen wollten. Schnell haben wir aber gesehen, wie wichtig es ist, dass die Mitarbeiter mehrere Sprachen sprechen und sich gut im Umgang mit Menschen aus verschiedenen Kulturen auskennen. Also genau die Kompetenzen, die wir um Unterricht mit dem JUMINA-Portfolio erarbeitet haben.“

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So viel Potential blieb auch Herrn Dr. Schwenke nicht verborgen. Als er mit den Schülern über seine Arbeit als Sozial- und Integrationsdezernenten sprach, lobte er spontan einen Schnuppertag für den besten Abschlussbericht aus. Denn: „…Ich freue ich mich, wenn Schülerinnen und Schüler aus Familien mit Migrationshintergrund sich für die Arbeit im Öffentlichen Dienst interessieren und ihre besonderen Stärken im Bereich der Interkulturellen Kompetenz und Mehrsprachigkeit in die Offenbacher Verwaltung einbringen wollen“, bekräftigte er seine Entscheidung.

Drei Berichte kamen in die Endrunde, Evrim Gültekin jedoch hob sich noch einmal von ihren Konkurrentinnen ab. Sie schrieb nicht nur ihren Bericht, sondern gleich die Bewerbung für das Schülerpraktikum mit dazu und brachte sie noch am selben Abend persönlich ins Rathaus. Der Einsatz hatte sich gelohnt: Heute durfte die Schülerin der elften Klasse den Schnuppertag im Rathaus antreten und Herrn Dr. Schwenke und seinen Mitarbeitern bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Und was sagt sie, als sie um sechs Uhr müde, aber glücklich aus dem Rathaus kommt? „Dass ich mein Schülerpraktikum unbedingt bei der Stadtverwaltung machen will. Ich hoffe auf eine positive Antwort.“ Wir drücken Evrim die Daumen!

„JUMINA – Junge Migranten in Ausbildung“ ist das Gemeinschaftsprojekt von CGIL-Bildungswerk e.V. und dem Staatlichen Schulamt für den Landkreis Offenbach und die Stadt Offenbach am Main. Es führt in sechs Offenbacher Schulen das „SCHÜLERPORTFOLIO interkulturell“ ein, unter anderem in der Albert-Schweitzer-Schule.

Elisabetta Fortunato, Projekt JUMINA

[For – 11/2015]