Wie lässt sich die Geschichte Kataloniens durch Begegnungen und Gespräche mit Zeitzeugen der Geschichte verstehen?

Projektunterricht in Barcelona des Leistungskurses Spanisch Q3

Nach einer langwierigen und intensiven Organisation und Vorbereitung flogen wir am 17. November 2016 mit der spanischen Fluggesellschaft „Vueling“ nach Barcelona.

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Dort angekommen begaben wir uns erstmals in das High-Tech-Hostel „Twentytu“, das wir mit öffentlichen Verkehrsmittel schnell erreichten. Es ist das erste Hostel der Welt mit dem Zertifikat „Biosphere Responsible Tourism“ und ist daher sehr umweltfreundlich und effizient. Außerdem war es jugendlich und gemütlich eingerichtet und hat unter anderem einen Gemeinschaftsraum, der mit einem Billardtisch, Fernseher und Computer wie auch einer eigenen Küche ausgestattet ist. Auf der Dachterrasse, von der man einen tollen Blick hat, fanden einige Events statt, die wir genießen durften, wie zum Beispiel eine Salsa-Stunde mit Wilfredo, einem Tanzlehrer aus Kuba.

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Der Aufenthalt in Barcelona war sehr aufregend, denn nach dem Projektunterricht „Memoria Activa“ hatten wir auch Freizeit, die wir individuell in kleinen Gruppen gestalten konnten. Barcelona ist auch außerhalb der Saison sehr stark besucht, weswegen wir auch Menschen von überall sehen und kennenlernen konnten. Vor allem war die berühmte Allee „Las Ramblas“ voll mit Menschen, wodurch man auch schnell den Überblick verlieren konnte. Wir besuchten Sehenswürdigkeiten wie „La Sagrada Familia“, „El Parque Güell“ von Gaudi y „El Barrio Gótico“.

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Barcelona ist nicht umsonst eine der beliebtesten Städte Spaniens. Durch die historische und klassische Architektur kombiniert mit modernen Einrichtungen erweckt sie ein besonders extravagantes Flair. Zudem gibt es eine Vielzahl verschiedener kleiner Nebenstraßen, welche an der berühmten “Rambla“ münden, die voller Überraschungen stecken und die Kultur Barcelonas durch einheimische Spezialitäten in den vielfältigen Restaurants der Stadt hervorheben.

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Auch sehr beeindruckend war für uns der Hafen. Viele schöne Boote aneinandergereiht und angebunden an einer Passage aus Holz mit einem Blick über den ganzen Hafen. Direkt am Hafen gibt es mehrere Restaurants mit einer Aussicht von der Terrasse direkt auf das Wasser.

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In der Innenstadt finden sich in den klassischen Gebäuden viele Geschäfte wieder, die sowohl von Einheimischen, als auch von Touristen durchgehend besucht werden. Auf dem berühmten Platz “Plaza Cataluña“ ist es erlaubt, Tauben zu füttern. Das Füttern der Tauben trägt zu der Tradition Barcelonas bei und gibt dadurch ein atemberaubendes Bild vieler Tauben an einer Stelle wieder.

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Am zweiten und dritten Tag unsres Aufenthaltes in Barcelona wurden wir von Noberto Sinatra in einen Nachbarschaftstreff (Memoriactiva) empfangen. Dieser Nachbarschaftstreff befindet sich außerhalb des Zentrums von Barcelona (Sant Marti) und bietet die Möglichkeit, sich mit den Senioren zu unterhalten, die den spanischen Bürgerkrieg und die anschließende Diktatur miterlebt haben.

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Der Direktor und Leiter des Projekts, Norberto Sinatra, erzählte uns von der Vereinigung der Senioren im Viertel, die zusammen den Nachbarschaftstreff gründeten. Nach dieser kurzen Einleitung betraten wir das Gebäude; die Senioren warteten schon  auf uns.

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Wir wurden sehr freundlich und liebevoll empfangen, anschließend gab es eine Vorstellungsrunde; jeder musste kurz etwas über sich sagen. Danach beschenkten wir die Teilnehmer mit kleinen Geschenken, unter anderem Pralinen und einem Schachset. Man konnte die Freude und Bewegtheit in ihren Gesichtern ablesen. An beiden Tagen des Projektes genossen nicht nur die Senioren, sondern auch wir die Zusammenarbeit miteinander. Dies stärkte vor allem die Dynamik unter uns.

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Nach der Vorstellung wurden wir in Themengruppen eingeteilt. Wir verstanden uns auf Anhieb mit den Teilnehmern des Projektes und das Ambiente war überraschend positiv. Schon bei der ersten Begegnung spürten wir die Warmherzigkeit und Sympathie, welche uns das Gefühl von Geborgenheit gab. Dies führte dazu, dass wir sehr familiär miteinander umgingen. Sie erzählten uns ihre Geschichte und wir redeten über unser zugeteiltes Thema. Währenddessen konnten wir alles notieren und Fragen stellen. Manchen fiel es schwer, ihre familiäre Vorgeschichte zu erzählen, was für uns verständlich, aber zugleich nach so vielen Jahren überraschend und traurig war.

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Die Senioren waren von Anfang an sehr freundlich zu uns und da wir uns so gut verstanden, gingen wir am ersten Tag alle zusammen essen. Der Umgang war sehr offen und im Großen und Ganzen hat es uns besser gefallen als zuvor gedacht.

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Der Abschied fiel uns besonders schwer, da die Senioren uns zuvor ein traditionelles spanisches Büffet vorbereitet hatten. Dieses Buffet bestand aus Tortilla, Chorizo, Brot mit Tomaten, Käse und Jamón (Schinken).

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Sie überreichten auch uns kleine Geschenke, unter anderem eine Fotoklammer und eine kleine Tüte voller Kekse. Nicht nur durch diese kleinen Gesten gewannen wir die Senioren lieb, sondern auch durch ihre positiven Charaktereigenschaften, die spannenden Geschichten und Erlebnisse, aber auch ihre Offenheit, Liebenswürdigkeit und vor allem ihre Motivation und Freude an diesem Projekt teilzunehmen, so wie wir natürlich. Auch aktuell nach der Reise haben manche von uns noch immer Kontakt mit einigen Teilnehmern dieses Projekts.

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Das Projekt sollte uns bei den Vorbereitungen auf unsere Abiturprüfungen unterstützen, da wir über die dort erforderlichen Themen mit Zeitzeugen sprachen und die dortigen Berichte uns die Inhalte unseres Unterrichts lebendiger erscheinen ließen. Mit dieser Nachbarschaftsinitiative sprachen wir gruppenweise über Themen wie Katalonien, dessen Sprache sowie dessen Kultur und Unabhängigkeitsbewegungen.

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Des Weiteren wurden uns  Erfahrungen aus der Zeit des Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur erzählt, die eine erschreckende Ähnlichkeit zu unserer Lektüre („La buena letra“ von Rafael Chirbes) aufwies.

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Auch in Bezug auf Deutschland diskutierten wir über Immigration und eventuelle Flüchtlingsströme. Dabei fiel uns auf, dass in Barcelona oder generell in Spanien wenige Flüchtlinge angekommen sind, sie jedoch auf Seiten einiger unserer Gesprächspartner  willkommen wären und höchstwahrscheinlich gar nicht auffielen, da Barcelona eben schon eine multikulturelle Stadt sei und schon immer Immigranten aufnahm.

Ergänzt wurde dieses Projekt durch eine Ausstellung, die zeigte, wie Barcelona sich im Laufe der Zeit von einer Agrar-Region zu einer großen und besonders für Touristen sehr gefragte Stadt entwickelt hat.

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Abschließend kann man sagen, dass das Projekt uns sehr geholfen hat, da wir aktiv an Ort und Stelle einen lebendigeren Bezug zu den Themen fanden. Der größte Teil unserer Generation schätzt die aktuelle Lage unserer Staatsform nicht ausreichend. Wir schätzen die Demokratie, in der wir leben und die damit verbundenen Grundrechte der Demokratie nicht bewusst genug. Dieses Projekt der „Memoriactiva“ (übersetzt: historische Gedächtnis) zeigte uns daher, dass es auch anders geht.

Die im Unterricht behandelten Elemente wurden uns direkt von Live-Zeugen berichtet, die die Diktatur in Spanien selbst miterlebt haben und die politische Unterdrückung verspürt haben. Während des „Franquismo“ kam es nicht „nur“ zu zahlreichen politischen Sträflingen, zur Isolierung Spaniens, zur Repression, sondern auch zu mehreren Hinrichtungen. Das Fehlen einer kodifizierten Verfassung, der National-Katholizismus in Spanien und die Despotie traumatisierten die Menschen. An diesen wertvollen Erfahrungen durften wir Anteil nehmen und die Wirkung, die die Menschen und deren Projekt auf uns hatten, ist Dankbarkeit und Wertschätzung unserer aktuellen Lebenslage und Staatsform.

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Zum Schluss möchten wir insbesondere unseren herzlichen Dank ausdrücken, dass wir die Möglichkeit erhielten, um im Rahmen unseres Projektunterrichtes nach Barcelona zu reisen. Das „Memoriactiva“ fokussiert sich auf die spanische Geschichte, um zu vermeiden, dass wichtige Ereignisse bei künftigen Generationen in Vergessenheit geraten. Das, was geschehen ist, prägt ganz Spanien und vor allem Katalonien, wovon uns die Senioren erzählen konnten. Somit konnten wir uns individuelle Eindrücke von den verschiedenen Erzählungen machen. Denn das geschriebene Wort in den Büchern ist nicht zu vergleichen mit den emotionalen und spannenden Erzählungen, die wir von den Zeitzeugen hören durften.

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Ein großes Dankeschön geht an den Förderverein und die Schulleitung der Albert-Schweitzer-Schule für die Unterstützung der Umsetzung des Projektes.

Wir bedanken uns herzlich bei dem Leiter des Memoriactiva-Projekts in Barcelona, Herrn Norberto Sinatra, und bei den erwachsenen Damen und Herren, die uns aus ihrer Zeit berichten konnten: Juan Andrade, Ángel Fernández, Rosalía Sánchez, Ángel Sumell, Rosa Álvarez, Antonio Herrera, Solange Arioni und Antonio Mingot.memoriactiva-nov-2016-23-klein

Selbstverständlich bedanken wir uns auch recht herzlich bei Herrn Camacho Lopéz, der den Projektunterricht leitete und uns zusammen mit Frau Flores auf der Projektfahrt begleitete und der sich von Anfang bis zum Ende des Projektes sehr engagierte.

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Saskia Bohlig, Laura Rodríguez, Melanie Rocha, Christian López, Sophie Joswig, Joshua Henriques, Elena Blecua und Ana Cerezo (LK Spanisch, Q3)

[11/2016]