Berufsinfoseminar 2018 – Mit der Schule fertig und dann?

Mit dem Eintritt in die Qualifikationsphase stellen sich viele Schüler die Frage, welchen Weg sie nach dem Abitur einschlagen möchten. Dabei sind sich viele dem breiten Spektrum an Möglichkeiten gar nicht bewusst und entscheiden sich möglicherweise für den falschen Weg.

So besuchte auch in diesem Jahr die Q2 der Albert-Schweitzer-Schule am 15. und 16. Februar 2018 die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Offenbach und nahm am umfangreichen Programm der Berufsinfoseminar teil, welches von den Lehrkräften Herrn Bolländer, Herrn Breuer, Frau Costa, Frau Geiser, Frau Ivan, Frau Kabakçi, Frau Seuffert, Frau Tsatsa und Frau Wurm zusammengestellt wurde.

Am ersten Seminartag stand alles unter dem Motto „Orientierung für den Weg in den  Beruf oder in das Studium“. Es wurden fünf Module im Bereich „Studium“, „Duales Studium“, „Brückenjahr“, Betriebliche Berufsausbildung“ und „Schulische Berufsausbildung“  angeboten, in denen wir über die jeweiligen Bereiche Informationen, wie Ablauf, Gehalt, Bewerbung etc. erhielten.

Aber zuvor wurden wir von Seiten der Industrie- und Handelskammer durch Frau Kühnl herzlich begrüßt und von dem Berufs- und Studienberater der Agentur für Arbeit Offenbach, Herr Völker, über die Berufs- und Studienberatung informiert, die auch an unsere Schule angeboten wird. Danach dürften wir uns für drei Module entscheiden. Ich entschied mich für folgende Module:

1.) Studium

Die wahrscheinlich beliebteste Entscheidung nach dem Abitur ist das Studium. Der Vortrag wurde von Frau Fürndörfler, Abiturientenberaterin der Agentur für Arbeit Offenbach, und dem ehemaligen ASS-Schüler und jetzigem Jura-Studenten Abdullah Baykal geleitet.

Hier wurden wir über wichtige Informationen aufgeklärt. Besonders achten solle man auf die Zulassungsbeschränkungen an den Universitäten. Dazu zählen Eignungstests, wie beispielsweise in den Studienfächern Sportwissenschaft (Sporteignungstest), Musikwissenschaft oder auch Kunstpädagogik (Erstellung einer Kunstmappe mit eigenen Werken), die man vor Studienbeginn absolvieren bzw. bestehen muss,  um an der Universität studieren zu können. Hierbei ist es von großer Bedeutung, sich rechtzeitig auf die Tests vorzubereiten.

Eine weitere Zulassungsbeschränkung ist der sogenannte Numerus clausus (N.c.). Das heißt, dass  Universitäten und Hochschulen eine beschränkte Kapazität an Studienplätze haben, deren Vergabe nur an bestimmte Abiturdurchschnitte der angehenden Studenten vergeht. Je beliebter ein Studienfach ist, desto niedriger ist auch der N.c. Die N.c. kann man auf den Homepages der jeweiligen Universitäten sehen, die sich auf von Bundesland zu Bundesland unterscheiden.

Wurde der angestrebte N.c. auf Grund einer schlechteren Abiturnote nicht erreicht, tritt die Wartesemester-Regelung in Kraft hat. Unter Wartesemestern definiert man die Zeitspanne, die zwischen dem Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung (Abitur, Fach-Hochschulreife etc.) und dem Beginn des erwünschten Studiums vergeht. Es heißt also, dass man trotz der unzureichenden Abiturnote durch das Sammeln von Wartesemestern den gewünschten Studienplatz bekommen kann.

Außerdem  wurden uns der Unterschied zwischen einer Hochschule und Universität erklärt. Dieser bestehe darin, dass  Hochschulen im Wesentlichen praxisorientierter arbeiten, d.h. sie sehen häufiger Praxissemester vor. Im Praxissemester haben beispielsweise Lehramtsstudent*innen die Möglichkeit, den Schulalltag an Schulen zu erkunden. Auch seien die Kursgruppen an FHs kleiner als an den meisten Unis.

Sehr wichtig sind auch die Studieninformationstage, wie z.B. MainStudy, wo sich zukünftige Studenten über Studiengänge informieren und die Möglichkeit haben, ins Studentenleben hineinschnuppern zu können.

2.) Duales Studium

Das duale Studium ist ein Hochschulstudium mit hohem Praxisbezug. Darunter zu verstehen ist, dass die Studenten im Studium theoretische Kenntnisse erlernen und parallel einen Praxispartner haben. Der Praxispartner kann ein Unternehmen, eine soziale Organisation oder eine staatliche Einrichtung sein, bei der der Student arbeitet und in der Praxis ausgebildet wird.

Herr Völker, Abiturientenberater der Agentur für Arbeit Offenbach, erklärte uns in diesem Modul das Bewerbungsverfahren. Dies läuft so ab, dass man sich schon vor dem Jahr seines Abschlusses mit den letzten 2-3 Zeugnissen bewirbt. Im Idealfall wird man zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und bekommt die Stelle.

Außerdem präsentierte er uns die Vor- und Nachteile eines dualen Studiums. Schließlich werde man schon in der Studienzeit jede Menge Berufserfahrung sammeln, was einen auf das Berufsleben vorbereite und man bekomme durch Ausbildungs- bzw. Praxisunternehmen während des dualen Studiums ein Gehalt. Ein Nachteil sei es, dass durch den sehr hohen Praxisanteil der wissenschaftliche Aspekt, also die Forschung,  zu kurz komme.

3.) Brückenjahr (nach der Schule ins Ausland)

Nach anstrengenden Schuljahren wollen viele Schüler aus ihrem alltäglichen Leben raus und ins Ausland reisen. Frau Wagner vom „American Institute For Foreign Study“ hielt einen Vortrag über die vielfältigen Möglichkeiten.

Eine Möglichkeit sei es, als „Au-pair“ gegen Verpflegung, Unterkunft und Taschengeld bei einer Gastfamilie im Land der Wahl tätig zu sein, um im Gegenzug das Land, die Sprache etc. kennenzulernen.

Des Weiteren kann man an Freiwilligenprojekten teilnehmen, bei denen man sich z.B. für Hilfsbedürftige in Projekten engagieren und nebenbei das Land erkunden kann.

Eine weitere Möglichkeit sie noch Work&Travel. Hierbei finanziert sich der Reisende durch das Verrichten von kurzen oder auch längeren Gelegenheitsjobs vor Ort und hat dadurch die Möglichkeit, das Land zu bereisen.

Ebenfalls beliebt sind die Auslandssemester, die man sich ins Studium einbauen kann, um auch an ausländischen Universitäten studieren zu können. Hier konnten auch zwei ehemalige Au pairs aus Offenbach nach ihren Erfahrungen befragt werden.

Außerdem gab es noch zwei weitere Module: die betriebliche Berufsausbildung und die schulische Berufsausbildung.

Am Ende des ersten Tages  fand noch ein 60-minütiger allgemeiner Kompetenztest der Industrie- und Handelskammer (IHK) statt, dessen Ergebnisse jeder Schüler in wenigen Wochen erhält. Hierbei mussten wir Aufgaben im Multiple-Choice-Verfahren zu verschiedenen Gebieten, wie Allgemeinbildung, räumlichem Denken, Mathematik und Sprache bearbeiten. Solche Kompetenztests werden im Auswahlverfahren für Stellenangebote/Zulassungen verwendet.

Am zweiten Tag des Berufsinfoseminars hörten wir von Frau Zoufal von der Städtischen Sparkasse Offenbach einen Vortrag über den Weg und die dazugehörigen Hürden zum Ausbildungsvertrag. Hierbei erläuterte sie uns, wie wir Bewerbungen schreiben und uns für Bewerbungsgespräche vorbereiten sollten. Dies waren sehr wichtige Informationen, die jede und jeder wissen sollte! Auch dieser Vortrag beinhaltete einen Eignungstest, der jedoch wesentlich kürzer war und lediglich einen kleinen Einblick gab.

Anschließend durften wir in Gruppen aufgeteilt an einem simulierten Assessmentcenter teilnehmen, welches von Vertretern der Städtischen Sparkasse Offenbach und den Wirtschaftjunioren Offenbach geleitet wurde. In meiner Gruppe sollten wir eine 5-minütige Präsentation innerhalb von 15 Minuten vorbereiten. Beim Präsentieren wurde ganz genau auf unsere Körpersprache, Gestik und Ausdrucksweise geachtet, woraufhin wir auf diese Kriterien entsprechend Lob und Kritik bekamen. Intention der Übung war die Vorbereitung auf die Arbeitssimulationen im Assessmentcenter.

Abschließend hatten wir noch Gelegenheit, über einen Feedbackbogen das Berufsinfoseminar zu bewerten.

Zwei sehr informative und aufschlussreiche Tage, die für viele Schüler etwas Licht ins Dunkel brachte. Auch Schülern, die schon wissen, welchen Weg sie beruflich eingehen wollen, kann ich solche Veranstaltungen empfehlen, da es sehr nützlich sein kann, mehrere Alternativen zu haben. Schließlich ist ein Plan B oder auch C nie verkehrt. Trotzdem sollte man jede Information, die man aus diesen Tagen entnehmen konnte, gut durchdenken und reflektieren.

Die Erfahrungen, die wir aus dem Berufsinfoseminar mitnehmen durften, werden uns in unserem späteren Leben von gewissem Nutzen sein und wir können immer wieder zurückgreifen.

Somit bedankt sich die Q2 bei der Industrie- und Handelskammer und bei den Lehrkräften, vor allem Frau Tsatsa und besonders bei Herrn Bolländer, die uns an diesem Tag begleiteten und unterstützten.

Senem Bozdag (Q2)