Kafka im Pavillon – Ein „Klassenzimmerstück“ des Schauspiels Frankfurt an der ASS

Die drei DSP-Kurse der E2 (sowie auch einige Gäste der DSP-Kurse Q2 und Q4) von Herrn Dr. Biccari besuchten am 16. und 20. April ein spannendes Gastspiel des Schauspiels Frankfurt an unserer Schule. Die beiden Aufführungen wurden auf Wunsch der Produzenten nicht angekündigt und waren somit eine Überraschung für unsere Schülerinnen und Schüler.

Es handelte sich dabei um das „Klassenzimmerstück“ Ein Bericht für die Akademie (nach der gleichnamigen Kurzgeschichte von Franz Kafka) mit der hervorragenden Schauspielerin Lisa Eder, die gerade eine Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt absolviert. Das Stück für Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahre inszenierte der Schauspieler und Regisseur Isaak Dentler.

Im Programm des Schauspiel Frankfurt liest man über diese Produktion: „Ein Affe stattet Bericht ab – vor einer Akademie hoher Herren, die sich für sein »äffisches« Leben interessieren.

Doch der Affe berichtet über fünf Jahre der Menschwerdung.

1. Lektion: Den offenen Handschlag lernen
2. Lektion: Rauchen
3. Lektion: Die Schnapsflasche…

Mit schier übernatürlicher Kraft gelingt es ihm, dem Affen, die Durchschnittsbildung eines Europäers zu erlangen. Er sucht einen Ausweg aus der Gefangenschaft. Am Ende kann er wählen: Zoo oder Varieté, Käfig oder Zurschaustellung.
Kafkas Text von 1917 ist eine Satire auf Zivilisierungs- und Bildungsprozesse. Der Affe erscheint menschlicher als die Menschen. In der Umkehrung der Vorzeichen legt Kafka die Fragwürdigkeit aller Anpassungs- und Assimilationsvorgänge offen. Denn die Menschwerdung gelingt dem Affen, dem Anderen, dem Außenseiter, nicht vollständig. Der Zugang zur Menschenwelt ist ihm letzten Endes ebenso versperrt wie der Weg zurück zum Tier. Er wird immer ein Fremder bleiben.“

Die Gastspiele wurden durch kurze, informative und interessante Publikumsgespräche abgerundet, die der Theaterpädagoge Philipp Boos und Herr Dr. Biccari moderierten.

Usman Malik und Leonie Ritter sammelten außerdem ihre Eindrücke über das Stück, sowie auch diejenigen von ihren MitschülerInnen.

Usman berichtete, dass Nihal von dem Schauspiel erstaunt sei und besonders von der Art und Weise wie die Schauspielerin von Emotion zu Emotion wechselte, ohne aus der Rolle zu fallen: „Sie blieb die ganze Zeit in ihrem Element und hat den Charakter faszinierend mit Mimik, sowie mit Gestik usw. vermittelt.“

Weiter Usman: „Dass die Schüler nichts von der Aufführung wussten, entwickelte ein Überraschungsmoment… Eine Lieblingsszene war, als die Figur von ihrem traurigen Hintergrund sprach und dementsprechend auch Tränen aus ihren Augen kamen…Meine Mitschüler lobten auch die Interaktion mit dem Publikum und der Bezug zu unserem DSP-Unterricht verschaffte mir das Bild, dass man Schauspielerei ernst nehmen sollte. Meiner Ansicht nach war die Szene am besten, als die Figur Tische verschob und direkt mit den Schülern interagierte. Die Aufführung war zum Teil emotional, amüsant, aber auch unterhaltsam und deshalb wurde es nicht langweilig.“

Leonie teilt folgende Statements von ihren KommilitonInnen der E2 mit:

„Ich war beeindruckt, dass die Schauspielerin noch studiert und es schon so gut kann. Sie hat sich komplett in ihre Rolle versetzt, auch wenn die Rolle ungewöhnlich war. Das Stück war sehr lustig, aber auch etwas seltsam.“ (Alina)

„Für mich war es sehr eindrucksvoll, dass die Schauspielerin so offen war und sich vor dem Kontakt mit den Schülern nicht gescheut hat. Ihre Art war sehr beeindruckend, denn ich hätte ziemlich Angst gehabt, Fremden so nahe zu treten.“ (Anastasija)

„Für mich war die Frau eine Inspiration, weil sie sich neben ihrem Studium Zeit für ein Stück nimmt, welches sie an Schulen vorspielt.“ (Memet)

„Zuerst war ich ein bisschen überfordert mit dem Stück, aber als ich es dann verstanden hatte, hat es widersprüchliche Gefühle in mir ausgelöst. Auf der einen Seite war ich schockiert, was aus diesem ‚Affen‘ geworden ist und empfand Mitleid für ihn. Auf der anderen Seite fühlte ich mich unwohl, weil das Stück unberechenbar schien. Ich fand es gut, dass wir danach die Chance hatten, mit der Schauspielerin zu sprechen und zu erfahren, wie ein Stück inszeniert wird.“ (Sunita)

„Ich habe erstmal einen Moment gebraucht, bis ich verstanden habe, wovon das Stück handelte. Was mir gefallen hat, war die Energie der Schauspielerin.“ (Nikola)

Das Gastspiel war definitiv keine leichte Kost für die jungen Theaterbegeisterten, die jedoch ihre Bereitschaft gezeigt haben, sich auf Neues und Unbekanntes einzulassen, um ihre ersten Theaterkenntnisse und Theatererfahrungen offen und positiv zu reflektieren.

Ein besonderer Dank gilt dem Förderkreis der ASS, der das Gastspiel gesponsert hat.

[Bic – 5/2018]