Der kalte Krieg war die spannungsreiche Konfrontation zwischen den Siegermächten USA und UdSSR nach Kriegsende 1945. Der Streit um die Zukunft Deutschlands und Reibungen auf globaler Ebene wurde mit politischer Spionage, Drohungen und atomarer Aufrüstung ausgetragen. Letztendlich konnte ein „heißer“ Krieg verhindert werden und 1990 erfolgte die Wiedervereinigung Deutschlands. Was übrig geblieben ist, sind Erinnerungen zwiegespaltener Generation und Orte des Geschehens, aus denen wir für eine friedliche Zukunft lernen sollten.

Um genau solche Orte zu erkunden, besuchten auch in diesem Jahr die Q2-PoWi-Kurse der Albert-Schweitzer-Schule die Gedenkstädte Point Alpha und das „Haus auf der Grenze“ in Rasdorf bei Fulda.

Während des Kalten Krieges war Point Alpha einer von vier amerikanischen Beobachtungsstützpunkten an der deutsch-deutschen Grenze zwischen Hessen und Thüringen, die die westliche Bundesrepublik Deutschland (BRD) und die östliche Deutsche Demokratische Republik (DDR) voneinander trennten. Dieser galt als „the hottest point in the cold war“ (heißester Punkt im Kalten Krieg), da er sich im Zentrum der NATO-Verteidigungslinie „Fulda Gap“ (Fuldaer Lücke) befand, in der die NATO  im Ernstfall eine Invasion der Truppen des Warschauer Paktes erwartete.

Die NATO vertrat das westliche Lager unter der Führung der USA mit der Intention der Eindämmung des Sowjet-Kommunismus, während der Warschauer Pakt eine gemeinsame militärische Organisation der sozialistischen Staaten in Europa darstellte, die unter Führung der Sowjetunion einen Gegenpol zum „Kapitalismus“ und „Imperialismus“ westlicher Staaten bildete. Ziel beider Staatenbünde war der weltweit dominante Einfluss. Heute ist Point Alpha eine Mahn-, Gedenk- und Begegnungsstätte, die an diese angespannte Zeit erinnert.

Aufgeteilt in Gruppen besuchten wir zuerst die Ausstellung im „Haus auf der Grenze“, die den Besucher*innen die damaligen Verhältnisse zwischen Ost und West und das Leben im Sperrgebiert veranschaulichen sollte. Originale Ausstellungsstücke aus dem Osten wie den Grenzzaun, Uniformen, Waffen und Selbstschussanlagen wurden in dieser Ausstellung präsentiert. Durch die Mutimedia-Ausstellung konnte man sich über die Erfahrungen der Grenzsoldaten aber auch über die DDR-Bürger*innen, die in die BRD flüchten wollten, informieren.

Zur Prävention der Fluchtversuche und Stärkung der innerdeutschen Grenze wurden Grenz-und Wachtürme und hohe Metallgitterzäune errichtet, die wir uns genauer anschauten. Bei einem Fluchtversuch über die seit 1952 zunehmend ausgebauten Grenzanlagen war man entweder den eingerichteten Minen ausgeliefert oder man wurde von den Grenzsoldaten erschossen, was die sehr brutalen und inhumanen Bedingungen an der Grenze verdeutlichte.

Anschließend besichtigten wir den ehemaligen amerikanischen Stützpunkt Point Alpha. Die dortige Ausstellung thematisiert die Rolle der US-Besatzung in Deutschland und wir konnten uns originale US-Militärfahrzeuge und -ausrüstungen anschauen.

Am Ende der Führung erzählte unsere Gruppenleiterin von einem gewissen Stanislaw Petrow, der Oberst der sowjetischen Luftabwehrstreitkräfte war. Dieser beobachtete 1983 vermeintliche Flugzeuge aus westlicher Richtung, was von den Systemen als Angriffsversuch interpretiert wurde, aber eigentlich nur ein Versehen war und kein Angriff sein sollte. Petrow zweifelte und entschloss sich, keinen Befehl für einen Gegenangriff auszuführen. Somit verhinderte er den Ausbruch des Dritten Weltkriegs. Er erhielt für seine mutige Entscheidung den „World Citizens Award“, wird aber fast in keinem Geschichtsbuch erwähnt.

Damit Geschichte und Politik nicht nur trockene Sekundärtexte für uns Schüler*innen bleiben, sind solche Exkursionen durch die bildhaften und einprägsamen Einblicke sehr wichtig und helfen einem sich in die damalige Zeit hineinzuversetzen. Bezogen auf die heutige Zeit sind politische Vorstellungen von hohen Mauern  und gefährlichen Grenzen  stets gegenwärtig. Diese Vorstellungen geprägt von national-populistischer und egozentrischer Politik zeigen, dass kein einzelner Mensch wie auch kein einziges Regime die Welt beherrschen kann. Die politische Theoretikerin Hannah Arendt (1906-1975) schrieb einst „Vergebung ist der Schlüssel zum Handeln und zur Freiheit“.

Mehr Informationen zur Gedenkstätte Point Alpha unter www.pointalpha.com.

Senem Bozdag (PoWi-LK Q2)
[6/2018]