Am 15. Januar 2019 unternahm der PoWi-LK (Q1) von Herrn Bolländer einen Ausflug zum Historischen Museum in Frankfurt, um zum 100-jährigen Jubiläum des Frauenwahlrechts in Deutschland die Ausstellung „Damenwahl“ zu besuchen.

Ausgestattet mit Headsets begann die Führung durch die Ausstellung damit, dass erst einmal durch unseren Gruppenleiter dargestellt wurde, unter welchen Bedingungen die Frauen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gelebt haben.

Viele Frauen trugen beispielsweise Korsetts, um dem typischen Idealbild der zu entsprechen. Dabei quetschten sich Frauen und junge Mädchen ab dem Alter von 7 Jahren in Korsetts, damit diese ihre Taille extrem schmal aussehen ließ und ihre Kurven betonte. Jedoch schadete dies extrem der Gesundheit der Frau, da das Korsett sämtliche Organe und Rippen quetschte bzw. einengte. Dies änderte sich Anfang des 20.Jahrhunderts, da immer mehr Frauen sich weigerten, Korsetts zu tragen und betont weite Kleider bevorzugten. Hier wurden erste Erfolge der Frauenbewegung deutlich.

Ebenfalls war es für Frauen damals sehr schwer, ohne männliche Begleitung das Haus zu verlassen, denn man wurde schnell für eine Prostituierte gehalten und sogar vergewaltigt.

Auch der alleinige Aufenthalt in einem Café war für eine Frau fast unmöglich, da man ebenfalls für eine Prostituierte gehalten werden konnte und somit der Rauswurf drohte. Aber immer mehr Frauen erklärten sich mit diesen Gegebenheiten nicht einverstanden und kämpften für mehr Gleichberechtigung – gegen den Widerstand vieler Männer.

Dabei waren vier Forderungen den Frauen sehr wichtig:

  • Erstens das Recht auf Bildung. Vielen Frauen war lange höchstens der Besuch einer Grundschule gestattet.
  • Als zweite Forderung traten sie für eine gerechte Arbeitswelt ein. Das bedeutete, dass Frauen und Männer für die gleiche Arbeit denselben Lohn bekommen sollten. Eine Forderung, die bis heute an ihrer Aktualität nichts verloren hat.
  • Drittens die Forderung nach körperlicher Selbstbestimmung: Frauen wollten selbst über ihren Körper bestimmen können. Sie waren es leid, ihren „ehelichen Pflichten“ nachgehen zu müssen und ihrem Mann stets „zur Verfügung“ zu stehen. Zudem wurden Frauen in vielen Fällen von ihren Ehemännern vergewaltigt, was in der Regel für diesen straffrei blieb.
  • Viertens die Forderung nach politischer Teilhabe: Frauen durften ab 1908 Mitglied in einer politischen Organisation werden, sodass auch innerhalb der Parteien separate Frauengruppen entstanden.

Hierzu waren Frauen auf Plakaten zu sehen, die aufforderten, sich für die Frauenrechte einzusetzen.

Da nun viele deutsche Männer ab 1914 als Soldaten im ersten Weltkrieg kämpften und dieser länger dauerte als erwartet, waren viele Berufe, die eigentlich von Männern besetzt wurden, nun frei. Die Frauen „ergriffen“ nun ihre Chance und „nahmen“ sich diese Berufe, die ihnen zuvor eigentlich vorenthalten waren.

Nun nach dem Ende des ersten Weltkrieges trat am 30. November 1918 das Reichswahlgesetz mit dem allgemeinen aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Kraft. Schließlich konnten Frauen am 19. Januar 1919 zum ersten Mal in Deutschland wählen und auch selbst gewählt werden.

Jedoch hat die lang und hart erkämpfte Frauenemanzipation immer noch keine vollständige Gleichberechtigung erreichen können. Denn auch heute verdienen Frauen trotz derselben Tätigkeit weniger als Männer. Ebenso zeigt die „#metoo“-Kampagne, in der Frauen von sexuellem Missbrauch und Nötigung berichten, dass das Thema „körperliche Selbstbestimmung“ immer noch aktuell ist.

Der Rundgang endete damit, dass wir uns wichtig erscheinende feministische Themen auf kleine Zettel notieren sollten, die wir dann an eine Wand zu Hunderten anderen kleben sollten.

Die Ausstellung „Damenwahl“ zeigt auf eine eindrucksvolle Art und Weise, welchen harten und langen Weg die Frauenemanzipation in Deutschland durchlaufen musste und es in den nächsten Jahren noch machen muss.

Anastasija Bojanic und Aleksandra Mijailovic (Q1)
[1/2019]