Spätestens seit dem Hollywoodstreifen „Eyes Wide Shut“ mit Tom Cruise und Nicole Kidman in den Hauptrollen ist den meisten Zuschauern der Name Arthur Schnitzler ein Begriff. Ein ähnlich erotisches Spektakel der Farben und Bewegungen wie es diese Verfilmung von Schnitzlers „Traumnovelle“ im Kino bot, zeigten auch die beiden Q3-Kurse „Darstellendes Spiel“ live in der Alten Halle der Albert-Schweitzer-Schule.

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Auf dem Programm stand bei den vier Aufführungen Schnitzlers Skandalstück „Reigen“ aus dem Jahre 1903. Bereits die Uraufführung dieses Werkes am 23. Dezember 1920 am Kleinen Schauspielhaus in Berlin sorgte seinerzeit für einen der größten Theaterskandale des 20. Jahrhunderts.

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So schildert das Stück in zehn erotischen Dialogen die mechanische Seite menschlicher Sexualität und Partnerschaft sowie deren Umfeld von Macht, Verführung, Sehnsucht, Enttäuschung und dem Verlangen nach Liebe. Es zeichnet dabei ein durchaus kritisches Bild von Moral und durchwandert dabei tänzerisch (so ist ein „Reigen“ nichts anderes als ein Tanz) alle sozialen Schichten vom Proletariat bis zur Aristokratie. Schlussendlich endete der damalige Theaterskandal im so genannten „Reigen-Prozess“.

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Doch was haben ein „Stubenmädchen“, „ein Soldat“, „ein Graf“ oder eine „Dirne“ mit der Lebenswirklichkeit Offenbacher Jugendlicher im 21.Jahrhundert zu tun? Auf den ersten Blick sicherlich nicht viel. So mussten Regisseur und DSP-Lehrer Dr. Biccari und seine Kursteilnehmer zunächst selbst zum Bleistift greifen und den mittlerweile veralteten Stoff neu aufbereiten.

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Hierbei wurden Text, Handlung und die zehn handelnden Figuren grundlegend verändert. Ein Callgirl, ein Türsteher, ein Au-Pair-Mädchen, ein Student, eine Sekretärin, ein Bürokaufmann, eine Studentin, ein Theaterregisseur, eine Schauspielerin und ein Politiker ersetzten die Protagonisten des vergangenen Jahrhunderts. Da möglichst vielen Schülerinnen und Schülern ein Auftritt ermöglicht werden sollte, wurden dabei alle Rollen doppelt besetzt. In den montageartig aneinandergereihten Szenen begegnen sich die Figuren im Laufe der zehn Szenen und werden ähnlich wie Boxkämpfer von einem „Nummerngirl“ bzw. „Nummernboy“ angekündigt. Dabei reden sie meist aneinander vorbei oder kämpfen um die Vorherrschaft in Dialogen, die stets von einem postmodernen Narzismus der handelnden Figuren begleitet werden.

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Dass dieses Stück nicht den roten Faden verlor und nicht in den häufig eingespielten atonalen Cluster-Akkorden endete, verhinderten die eindrucksvoll präsentierten Choreografien zwischen den Szenen, die die maskierten Schauspieler professionell darboten. In Anlehnung an die chorischen Zwischenspiele des antiken Theaters unterbrachen und kommentierten diese Reigen-Tänze die Handlung und setzten so neben den häufig kalten und gefühlsarmen Dialogszenen eine eher ekstatisch-träumerische Note. Tosender Beifall und vier beeindruckende Vorstellungen, an die sich die Schulgemeinde noch lange erinnern wird.

Sebastian Krämer [1/2013]

Das Ensemble am 16. und 18. Januar 2013: Naoual Abardah, Arhun Aksakal, Samar Angourani, Desiree Aruta, Fayssal Bouziani, Maleen Burzeya, Hakan Cüldür, Burhan Denizli, Umre Eroglu, Saba Gebyaw, Melisa Hadzic, Nadia Hourani, Aygül Karauzüm, Soner Karkaoglu, Shazidul Kashem, Dejan Kulbach, Paul Markovic, Roberto Mazza, Elena Patwary, Dennis Sakmen, Carolin Schmidt, Navnoor Singh, Azouz Zahmoul

Das Ensemble am 17. und 19. Januar 2013: Samar Angourani, Nermina Corovic, Fayssal Bouziani, Hakan Cüldür, Burhan Denizli, Annika Gorup, Samir Hamiani, Aylin Heim, Shayma Hemati, Michelle Jüngling, Soner Karkaoglu, Shazidul Kashem, Dejan Kulbach, Paul Markovic, Roberto Mazza, Dennis Sakmen, Denise Sauer, Anna Talesnik, Nazire Yasar, Azouz Zahmoul, Theodora Zania, Yanira Zeyn

Konzept, Spielleitung: Dr. Gaetano Biccari
Assistenz: Melek Tekin
Klavier: Hakan Cüldür

Konzept, Spielleitung bei einigen Zwischenspielen: Die Ensemble-Teams um Maleen Burzeya, Shayma Hemati, Dennis Sakmen und Azouz Zahmoul

Beleuchtung: Jonas Gehrunger, Alexander Koshovy, Patrick Schwenke.
Fotografie: Klaus Schneider-Grimm

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