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An der Albert-Schweitzer-Schule muss in diesem Jahr der erste G8-Jahrgang zusammen mit dem letzten aus G9 mit dem Abitur ran. Nicht gerade wenig wird seit der Einführung der neuen Schulreform in 2004 über die auf acht Jahre verkürzte Schulzeit diskutiert. Ist ja auch kein Wunder! Denn das Wissen, das wir Schüler uns vorher innerhalb von 13 Jahren aneigneten, müssen die Lehrer uns nun in 12 Jahren vermitteln. Hinzukommen höherer Leistungsdruck und mehr Unterrichtsstoff in weniger Zeit! Sicher wurden wir schon seit der 5. Klasse allmählich darauf vorbereitet, den Stoff in kürzerer Zeit zu verstehen. Dafür kann er aber nicht so intensiv wie nötig behandelt werden.

Abi 2013 klein

Mit der G8-Reform passt sich Deutschland an die anderen EU-Länder an. Ist das bloß eine Strategie des Staates, um mit dem früheren Start der Abiturienten ins Berufsleben Geld für das weggefallene 13. Jahr zu sparen und gleichzeitig früher als üblich Steuerzahler zu gewinnen?

Gegner von G8 führen an, dass es unmöglich sei, die Lernqualität durch die verkürzte Schulzeit zu verbessern. Stimmt! Denn wie soll sich der Unterrichtsstoff in geringerer Zeit schneller festigen? Zudem sind die acht Jahre auf dem Gymnasium kein Zuckerschlecken. Schon Sechstklässler müssen mehrmals in der Woche bis in den Nachmittag hinein in der Schule verbleiben. Für Hobbys und Kreativität bleibt da nicht viel Zeit.

Einige Lehrer zweifeln sogar bei vielen Oberstufenschülern an, sie seien zu jung und es sei für sie noch viel zu früh, nach dem Abitur direkt im Arbeitsmarkt einzusteigen. Die Entscheidung, was wir in Zukunft machen wollen, müssen wir außerdem früher fällen als noch vor 10 Jahren. Ob manche von uns dafür schon bereit sind, bleibt umstritten. Schließlich sind ein paar Abiturienten gerade erst 17 Jahre alt, wenn sie den Abschluss in der Tasche haben und an der Universität studieren möchten.

Um sich mit der Entscheidung noch etwas Zeit zu lassen, sind zurzeit beispielsweise das Freiwillige Soziale Jahr oder ein Jahr im Ausland ganz hoch im Kurs. Das bringt der deutschen Wirtschaft nicht viel. Denn gewonnen hat der Staat in der Hinsicht bestimmt nichts an Steuern – im Gegenteil: In dieser Zeit wird die Wirtschaft anderer Länder angekurbelt.

Die Auswahlmöglichkeit, die bald an hessischen Gymnasien praktiziert werden soll, sich entweder für G8 oder G9 zu entscheiden, scheint auch keine gute Alternative zu sein. Denn wer weiß schon in der 4. Klasse, ob er acht oder eher neun Jahre für eine gute Abiturnote benötigt?

Für uns Schüler bleiben viele Fragen offen. Gerade für die ersten Jahrgänge mit G8 bleibt einiges unorganisiert, so als ob das Landesschulamt die Reform nicht gründlich durchdacht habe. Leider führt es das ganze Spiel durch, bis es merkt, dass nicht jedem die Spielregeln klar sind. Das große Problem ist, dass es sich bei G8 nicht um ein einfaches Spiel handelt. Es kann nicht sein, dass Jugendliche dafür gerade stehen müssen, was Politiker beschlossen und teilweise verbockt haben! Jedoch sieht es ganz so aus, als könnten wir Schüler daran nichts ändern. Falls sich doch irgendwann für ein Abbremsen des Turbo-Abiturs entschlossen wird, sehe ich schon jetzt die Zukunft: Die Kultusministerien werfen die Akten der G8-Jahrgänge in den Papierkorb und denken, damit sei es getan. So wird schnell in Vergessenheit geraten, dass ganze Schülergenerationen mit der verkürzten Schulzeit kämpfen mussten.

Wir Schüler sind und bleiben wohl bloß die Versuchskaninchen einer aus den Fugen geratenen und heiß diskutierten Schulreform.

von Patricia Kaschky (Q2)
Redakteurin der Online-Schülerzeitung [3/2013]