Zwei türkische Rentner erzählen ihr Leben. Dabei werden sie von dem Sas-Spieler  Hamdi Tanses  begleitet. Die beiden  können nicht unterschiedlicher sein: Sie verließ die Türkei nach einer Scheidung, um eine Ehehölle hinter sich zu lassen und er stellte sich vor, in Deutschland die Welt zu umarmen, eine Familie zu gründen und bald zurückzukehren.

Fotografien zum Leben der ersten türkischen Gastarbeiter in Deutschland von Barbara Klemm wurden an den Anfang gesetzt.

Beide machen unterschiedliche Erfahrungen: Sie lernt den Filterkaffee kennen, der viel besser ist als der bittere türkische Kaffee und lernt mühsam, den dauernden deutschen Regen und ihre Rückenschmerzen  zu ertragen. Sie bekommt von verschiedenen Seiten Eheangebote. Ein türkischer Landsmann will sie nach islamischem Ritual heiraten. Sie entdeckt aber, dass er in der Türkei standesamtlich verheiratet ist und mehrere Kinder hat. Ehe kommt für sie nicht mehr in Frage. So genießt sie Eskapaden mit gut gebauten deutschen Männern, die viel ehrlicher sind und sie nicht mit Heiratsanträgen belästigen. Ihr Sohn, der einzige Gewinn ihrer Ehe, wird eines Tages von Skinheads zusammengeschlagen.

Er ist traditionell verheiratet, geht gern ins Cafe und ist ein Meister im Tafla spielen. Erst  nach dem Tod seiner Frau merkt er, was er verloren hat.  In einem Loblied auf sie erkennt er, dass sie stillschweigend seine häusliche Ungeschicklichkeit ertragen und sein Leben behaglich gemacht hat. Mit ihrem Weggehen gleitet ihm seine Welt aus der Hand. Er versteht nicht, dass seine Kinder sich mit Deutschen verheiraten und seine Enkel ihn nicht einmal „Dede” nennen wollen. Sein Sohn wirft ihm vor, dass er mit seinem dummen Kopf  seine Frau und seine Kinder nicht wie Menschen behandelt habe. Allein zurückgeblieben, fängt er an, zu verwahrlosen, geht nicht einmal mehr ins Cafe.

Am Ende des Stücks treffen  sich beide auf einer Parkbank. Sie hat so einen netten türkischen Mann noch nicht kennen gelernt . Da sie sich sympathisch sind, machen beide Vorschläge für ihr nächstes Treffen. Er möchte als der Mann alles für sie arrangieren, worauf sie entgegnet: Diese Angewohnheiten sind in der Türkei geblieben.

Das Stück 40 Yil- Dile Kolay ( 40 Jahre leicht gesagt) von Yüksel Pazarkaya unter der Regie von Ömer Simsek wurde am 22. November im Rahmen des deutsch-türkischen Kulturherbsts im  Jugendstilsaal ( unsere Alte Turnhalle) gezeigt. Ömer Simsek hat mit Einar Schleef zusammengearbeitet. Der Schauspieler Umran Ertok hat in der Türkei einen Preis für die beste Nebenrolle in „Nazirim Karisi” erhalten und hat im deutschen Fernsehen gespielt.

Die Gäste kamen  aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet. Zur  Prominenz zählten  Vertreter des türkischen Konsulats, von türkischen  Verbänden und die Fotografin  Barbara Klemm.

Traudel Seher