Am 21. März 2013 machte sich der PoWi-Leistungskurs der Q2 gemeinsam mit Herrn Bolländer auf die einstündige S-Bahn-Fahrt zum Hessischen Landtag in Wiesbaden.

Das Interesse an dieser Exkursion bestand schon seit längerer Zeit. Doch da diese Klassenbesuche sehr begehrt sind, hatten wir zunächst die Chance nicht bekommen. Beim zweiten Versuch klappte es dann glücklicherweise doch noch. Neben der Tatsache, dass es uns alle brennend interessierte zu sehen, wie die politischen Debatten in einer so wichtigen Institution geregelt werden, reizte uns auch die Möglichkeit, dass wir alles zuvor im Unterricht theoretisch gelernte in die Praxis umsetzen konnten. Der Besuch ergänzte sich sehr gut mit unserem letzten Halbjahresthema „Politische Institutionen und Prozesse in Deutschland“. Als wir erfuhren, dass wir nun doch die Möglichkeiten bekommen würden, uns ein eigenes Bild machen zu können, warteten wir alle gespannt auf diesen Tag.

Achzehn erwartungsvolle Schüler, ihr Lehrer, einige Polizisten vor dem Gebäude und die Gespanntheit in den Gesichtern… so könnte jemand unsere Ankunft beim Landtag beschreiben.

Nachdem wir von einer freundlichen Dame empfangen worden waren, mussten wir alle eine Schleuse passieren, in der wir auf gefährliche Gegenstände untersucht wurden. Danach machten wir uns auf den Weg, uns das alte Schloss des Hessischen Landtags anzusehen.  Diese Führung war interessant und außergewöhnlich, da nicht jeder Schülergruppe diese Möglichkeit gegeben wird. So lernten wir die alten Räumlichkeiten kennen, in denen früher getagt wurde. Schnell fiel uns auf, dass diese Räume sehr prunkvoll und elegant gestaltet waren. Schon beim Hochgehen auf der mit rotem Teppich bedeckten Treppe waren an den Seiten sechs griechisch-römische Götter zu erkennen und auch die Möbelstücke und der Kronleuchter verstärkten diesen Eindruck.

Wenn man bedenkt, dass dort der ehemalige Fürst und Herzog des Hauses Nassau (sein Wappen befindet sich ebenfalls im Treppenhaus) lebten, ist diese Gestaltung nachzuvollziehen. In dem Stadtschloss besuchten wir den ehemaligen Plenarsaal, den Speise – und Tanzsaal, das Balkonzimmer, den Roten Salon, der Gelben Salon, den kleinen Salon und die Wintergärten. Beeindruckt und gespannt machten wir uns nun auf den Weg, auf den wir uns eigentlich gemacht hatten: Den Besuch einer Plenarsitzung!

Die Plenarsitzung begann für uns um 9 Uhr und dauerte eine Stunde. Bei den Diskussionen über das Thema G8/G9 und den „Equal-Pay Day“ erkannten wir sehr schnell, dass die Gesprächskultur der Abgeordneten für unser Empfinden sehr befremdlich ist. Während wir es immer als selbstverständlich ansehen, andere Leute aussprechen zu lassen und ihnen mit Respekt gegenübertreten, schien das bei den Abgeordneten nicht der Fall zu sein. Wenn ein Abgeordneter einer anderen Partei sprach, musste er sich oft Kommentaren und einem ständigen Lärmpegel stellen. Eine Stunde lang konnte wir uns einen Eindruck über eine originale Plenarsitzung machen, wobei sich für einige von uns das Bild, was sie darüber hatten, komplett änderte.

Anschließend waren wir gefragt. Eine Stunde lang konnte wir fünf Abgeordneten alle Fragen stellen, die wir über ihren Alltag und die Politik in Hessen hatten. Folgende Abgeordnete stellten sich diesem Gespräch für uns zur Verfügung: Armin Schwarz (CDU), René Rock (FDP aus Seligenstadt), Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/ Die Grüne aus Offenbach, ein ehemaliger Schüler unserer Schule 1983-1985), Heike Habermann (SPD, Offenbach) und Barbara Cárdenas (Die Linke aus Dietzenbach). Während dieser Stunde wurden alle unsere Fragen sehr gut beantwortet und wir erhielten nun einen noch besseren Eindruck über das Leben eines Abgeordneten. Damit ihr euch auch ein Bild von dieser Fragerunde machen könnt, werde ich nun kurz über eine Frage berichten.

Besuch Hessischer Landtag (2013 Bol) 1

Auf die Frage, ob die Abgeordneten ihr Benehmen während der Plenarsitzung nicht als respektlos empfinden würden, bekamen wir die Antwort, dass es die Mehrheit zwar störe, man es jedoch nicht ändern könne. Außerdem seien bestimmte Zwischenkommentare auch sinnvoll, um die Diskussion zu verbessern. Doch wüssten die Abgeordneten auch, dass diese sehr anstrengend sein können. Zusammenfassend kann man sagen, dass selbst die Abgeordneten dieses Verhalten stört.

Dann waren wir auch schon am Ende unseres Ausflugs. Nachdem wir einen Fragebogen beantwortet und noch ein bisschen die schöne Stadt Wiesbaden besucht hatten, hieß es auch schon wieder: Zurück nach Offenbach. Anhand des Feedbacks durch den Fragebogen und dem Austausch über den Tag, kann ich sagen, dass wir den Tag alle sehr interessant und lehrreich fanden. Wir konnten uns nun alle ein besseres Bild über den Hessischen Landtag und die Aufgaben eines Abgeordneten machen. Ich selbst fand es am interessantesten zu sehen, wie die Abgeordneten miteinander umzugehen pflegen und bin froh, dass uns unsere Fragen beim Gespräch mit den Abgeordneten beantwortet wurden. Somit kann ich den Ausflug allen interessierten PoWi-Kursen nur empfehlen.