Ein Bericht einer Redakteurin der Online-Schülerzeitung

Am 10. März 2013 kamen 20 italienische Austauschschüler nachmittags am Offenbacher Marktplatz an und trafen das erste Mal auf ihre deutschen Partner, mit denen sie eine Woche gemeinsam in Offenbach verbringen sollten.

Der Kulturaustausch zwischen dem „Liceo Galvani“ – einem italienischen Gymnasium in Bologna – und unserer Schule dauerte insgesamt zwei Wochen. Leitende Fachkräfte waren Herr Dr. Biccari (Deutsch, Englisch, Italienisch und Darstellendes Spiel) und Frau Grimm (Kunst und Biologie), die beide Italienisch sprechen, was diesen Austausch für Schüler der Qualifikations- und Einführungsphase (Q2 und E2) ermöglichte.

Bereits vor den Herbstferien startete Herr Dr. Biccari die Kontaktaufnahme mit dem bolognesischen Gymnasium. Nachdem klar war, dass auf beiden Seiten großes Interesse vorhanden war, hieß es für Herrn Dr. Biccari, alles Organisatorische in die Wege zu leiten. Frau Grimm kam in der letzen Phase als Leiterin für die Organisation der Aktivitäten hinzu. Am Ende kam ein toller Austausch zustande.

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Wir deutschen Schüler traten frühzeitig mit unseren jeweiligen Austauschpartnern via E-Mail oder sogar Skype in Kontakt, sodass wir Paare einen ersten Eindruck voneinander gewinnen konnten. Dabei erwies es sich als Vorteil, dass die gleichaltrigen italienischen Schüler seit bereits sechs Jahren Deutsch lernen und so eine Kommunikation überhaupt erst möglich war. Wir Albert-Schweitzer-Schüler verfügten über keinerlei Italienischkenntnisse, da diese Fremdsprache nicht für die Oberstufe angeboten wird. So kam es gelegentlich zu Missverständnissen, wenn etwa ein deutscher Schüler fragte: „Hallo, ich bin… wie heißt du?“ Darauf antwortete der italienische Austauschschüler: „Ja, ja, mir geht es gut!“ Doch auch diese Hürde meisterten wir mit Bravour, und manchmal war es zugegebenermaßen amüsant zu sehen, wie es ist, sich mit Händen und Füßen verständigen zu müssen. Nach der gemeinsamen Woche in Offenbach konnten wir deutschen Schüler uns immerhin einen kleinen italienischen Wortschatz aneignen.

Durch die frühe Kontaktaufnahme konnte ich mir schon im Vorhinein einen guten Eindruck über meine Austauschschülerin verschaffen. Doch war es selbstverständlich, dass ich noch viele Fragen hatte, die ich ihr unbedingt stellen wollte. Nachdem wir also am Marktplatz standen und uns auf den Weg nach Hause machten, fingen wir bereits an ununterbrochen zu reden. Sicherlich lag dies auch daran, dass wir beide sehr gerne und viel reden, aber ich bin mir sicher, dass auch die anderen Partner eine Menge Gesprächsstoff hatten. Die unangenehme Situation, vor der ich mich fürchtete, nämlich, dass wir uns nichts zu sagen hätten oder uns nicht verstehen würden, trat zum Glück nicht ein. Wir verstanden uns auf Anhieb und mir kam es so vor, als ob ich meine Partnerin schon Jahre kennen würde.

Glücklich und erleichtert darüber packten wir zunächst einmal gemeinsam ihren Koffer aus und ich führte sie durch meine Wohnung. Dabei verging die Zeit so schnell, dass es auch schon Zeit war, sich mit den anderen Austauschschülern am vereinbarten Ort zu treffen, damit wir nun alle Italiener kennenlernen konnten. So war es dann auch. Wir trafen uns alle, tauschten uns über unsere ersten Eindrücke aus und merkten schnell, dass diese Woche sehr unterhaltsam werden würde. Während ich oft das Problem hatte, dass, wenn ich meine Austauschschülerin gerufen habe, sich drei Mädchen mit dem gleichen Namen umdrehten, hatten wir alle noch Probleme mit den Namen – doch das ist völlig normal. Wer kann sich schon 20 Namen auf einmal merken?

Zu den Namen gibt es eine Vorgeschichte. Als wir die Steckbriefe aller Italiener erhielten und es dann hieß, sich einen auszusuchen, war ein Junge dabei, den wir alle anfangs für ein Mädchen hielten, da der Name in Deutschland gewöhnlich für ein Mädchen benutzt wird. Doch als uns dann klar wurde, dass es ein Junge war, mussten wir alle schmunzeln. Gut nur, dass der Junge im Nachhinein, als wir ihm davon erzählten, ebenfalls darüber lachen konnte und es nicht negativ aufnahm. Genau diese typische Gelassenheit der Italiener lernten wir in dieser Woche sehr zu schätzen.

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Nachdem wir einige Stunden miteinander verbracht hatten, machten wir uns langsam auf den Heimweg, da wir am nächsten Tag Unterricht hatten und die italienische Gruppe auch sehr erschöpft von der Reise war. Damit unsere Austauschschüler auch einen möglichst breiten Einblick in das Leben in Deutschland erhalten konnten, kochten wir typisch deutsche Gerichte, gingen in deutsche Restaurants oder besuchten kulturelle Orte.

Was unseren Austauschschülern sofort auffiel, war die Tatsache, dass sich das Wetter sehr von dem in Italien deutlich unterscheidet. So mussten sich die Italiener dem Schnee, dem kalten Wind und der unangenehmen Kälte stellen. Aus Gesprächen mit meiner Partnerin kann ich sagen, dass sie dem Wetter nicht ganz so positiv entgegensah und oft vom sonnigen Italien schwärmte. Doch eine gute Sache hatte das Ganze dann doch: Die Italiener lernten das typische Winterwetter in Deutschland kennen, auch wenn das für die Südländer sehr gewöhnungsbedürftig war. Den Respekt der Italiener hatten wir dennoch sicher, fragten sie des Öfteren:„Wie hältst du das hier aus? Ich würde das nicht schaffen.“

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass die Woche, in der die Italiener ankamen, eine noch vergleichsweise angenehme Woche war, in der die Temperaturen noch mild waren. Auch wenn wir diese Temperaturen als angenehm empfinden, muss das nicht heißen, dass das alle so sehen.
Morgens mussten wir alle früher aufstehen, da es jetzt hieß, dass vor allem die Mädchen doppelt so viel Zeit für ihre morgendlichen Aktivitäten einplanen mussten. Schminken, reden, Haare kämmen und noch schnell ein schönes Outfit aussuchen – so lässt sich der Morgen meiner Austauschschülerin beschreiben. Dabei bestätigte sich bei dem einen oder anderen auch das Klischee, mit dem viele Italiener zu kämpfen haben: Die typische Unpünktlichkeit der Südländer – doch, wenn wir einmal ehrlich sind, wer von uns kennt diese Situation nicht?

Die dicke Winterjacken angezogen, die Stiefel ausgepackt und sich noch einen Schal ausgeliehen, gingen wir nach individuellen Unterrichtsbesuchen alle gemeinsam am Montag ins Rathaus. Dort empfing uns Stadtrat Dr. Felix Schwenke und nach einer Begrüßung und einem Frühstück im Rathaus stellten wir uns alle vor das Gebäude, um gemeinsam für ein schönes Foto zu posieren, welches in der Offenbach Post veröffentlicht werden sollte.

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Einen Tag später folgte eine Führung durch unsere Schule, die großen Eindruck hinterließ. Nach der Begrüßung durch den Schulleiter machten sich unsere Italiener gemeinsam mit Frau Grimm auf den Weg, unsere Schule genauer zu erkunden. Besonders beeindruckt blieben die Italiener von unserer alten Halle, die sie als „sooo groß und schön“ beschrieben. Sie habe etwas „Königliches und Edles“ – so die Aussagen der Italiener. Das „Liceo Galvani“ hingegen sei viel kleiner und habe seinen Schülern nicht so viel zu bieten, wie es bei uns der Fall ist. Zugegebenermaßen sind die italienischen Schüler nicht die ersten, die unsere außergewöhnliche, alte Turnhalle in Erstaunen versetzt hat.

Doch neben zahlreichen von der Schule organisierten Veranstaltungen, wie zum Beispiel der Aufenthalt im Städel Museum, der Ausstellung von Yoko Ono, der Führung durch die Deutsche Bank in Frankfurt, hatten wir Schüler den Austauschschülern auch privat viel zu zeigen. Das gemeinsame Bowlingspielen, bei dem sich schnell erkennen ließ, dass fast allen von uns ein wenig Training nicht schaden würde, machte trotz des manchmal schlechten Ergebnisses unheimlich viel Spaß. In der Shopping-Tour durch Frankfurt hatten alle Partner die Möglichkeit, kleine Souvenirs für ihre Familie einzukaufen oder sich selbst eine schöne Erinnerung an Deutschland zu gönnen. Auch der Besuch des Kinos zählte zu einem der vielen Programmpunkte für den Nachmittag in der Woche.

Und ob wir es nun glaubten oder nicht, die Woche verging im Nu und so rückte der Abschied am 15. März schneller näher, als uns lieb war. Um dem Austausch in Deutschland noch einen schönen, runden Abschluss zu geben, organisierten wir Deutschen im sogenannten „Häuschen“ der Schule (ehemalige KITA) eine Abschiedsfeier mit Essen, Trinken und italienischer Musik – eben alles, was dazu gehört. Dort spielten wir UNO, redeten und manche schwangen sogar noch das Tanzbein.

Aus diesem Grund hieß es dann am Samstag schnell noch die Koffer mit den gekauften Souvenirs packen. Bei mir stellte sich das als erstaunlich unkompliziert heraus, doch bei anderen waren die Koffer wohl kleiner geworden in der Zeit in Offenbach – ob das wohl an der Shopping-Tour und den neuen Kleidern lag? Ich kann mir gut vorstellen, dass die deutsche Gruppe genau die gleichen Probleme haben wird, wenn es dann heißt, die Italiener in Bologna zu besuchen. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass die Koffer auf der Rückreise regelrecht aus allen Nähten platzen.

Am Samstag unternahmen wir alle getrennt voneinander etwas mit unserer Familie und unseren Partnern, da es schließlich der vorerst letzte gemeinsame Tag war. Zur vereinbarten Zeit am Marktplatz getroffen und noch einmal allen eine Umarmung gegeben, war es dann aber wirklich Zeit, sich zu verabschieden – eigentlich nur für unsere Eltern, denn wir werden unsere Italiener schon in zwei Monaten bei unserem Gegenbesuch im Mai wiedersehen.

Zwar war es im Großen und Ganzen doch eine recht anstrengende Woche, diese war jedoch auch mit jeder Menge Spaß, Freude und neu gewonnenen Eindrücken verbunden. Besonders unterhaltsam war es, die kulturellen Unterschiede und die manchmal doch etwas schwere Kommunikation zu sehen. Immerhin weiß ich nun unter anderem, dass „Ciao“ – ähnlich wie das deutsche „Servus“ – sowohl „Hallo“ als auch „Tschüß“ bedeuten kann, weshalb sich Italiener bei der Begrüßung auch gleich wieder verabschieden. Darum mache ich es nun umgekehrt und denke beim Abschied gleich wieder ans Wiedersehen beim Gegenaustausch. „A presto!“ (Bis bald)

[4/2013]