Inspiriert von seinen Eltern, die deutsch-österreichischer Herkunft sind, hat der in Australien lebende Schriftsteller Markus Zusak ein Buch geschaffen, das so ganz anders ist, als alle anderen, die den Zweiten Weltkrieg behandeln. Denn es ist aus der Sicht des Todes geschrieben, der im Dritten Reich ganz schön viel Arbeit hat.

Die Bücherdiebin

Er erzählt die tragische und herzergreifende Geschichte von Liesel, einem jungen Mädchen, das erlebt, wie ihr kleiner Bruder stirbt und das in der Nähe von München bei Pflegeeltern, den Hubermanns, aufwächst. Die Hubermanns nehmen bald einen schwachen Juden auf und halten ihn in ihrem Keller versteckt.  Während sie viele Seinesgleichen durch die Straßen in Richtung Konzentrationslager marschieren sehen und sich die Luftangriffe über der Stadt häufen, scheint der Tod zum Greifen nah. Auch die Angst davor, dass die Nazis das Versteck im Keller entdecken, wächst mit jedem Augenblick. Doch obwohl ihr Schicksal und das ihrer neuen Familie und Freunde an ihr nagt, schöpft Liesel immer wieder neuen Mut durch das Lesen ihrer gestohlenen Bücher.

Allein die Thematik schafft die nötige Dramatik in der Lektüre über Freundschaft, Liebe, Vertrauen, Angst und Hass. An einigen Stellen nimmt der Erzähler, der Tod, das erst später Folgende vorweg. Dieser Kunstgriff des Autors hindert jedoch nicht das Verlangen, unbedingt wissen zu wollen, wie es weitergeht. Im Verlauf der Geschichte erkennt der Leser, dass selbst der Tod ein Herz hat, obwohl er von den Menschen oft verdammt wird.

Das Jugendbuch, als Taschenbuchausgabe des cbt-Verlags für 9,95 € zu erwerben, macht nicht Halt vor der schrecklichen Wahrheit, die im Zweiten Weltkrieg hinter jeder Ecke lauerte. Deshalb ist es 2009 nicht ohne Grund mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet worden. Immer wieder muss man das eben Gelesene auf sich wirken lassen und ihr werdet sehen, so schnell lässt es euch nicht los. Gänsehaut und feuchte Augen sind bei der Lektüre für weibliche und männliche Büchermäuse ab 12 Jahren nicht ausgeschlossen.

Legt euch also Taschentücher bereit, taucht ein ins Jahr 1939 und hört dem Tod 600 Buchseiten lang zu, was er euch zu erzählen hat.

Patricia Kaschky (Q2)

Markus Zusak: Die Bücherdiebin (Roman)
608 Seiten, Blanvalet Taschenbuch Verlag (2009)
ISBN-10: 3442373956
ISBN-13: 978-3442373956
(Originaltitel: The Book Thief)
Preis: 9,95 €