Am 29. August 2013 fand in der Mensa der Albert-Schweitzer-Schule eine Podiumsdiskussion mit Kandidaten der fünf großen Parteien in Deutschland statt, in der sie ihre Positionen für die Bundestagswahl am 22. September 2013 darstellen und diskutieren konnten.

Heinz Peter Wichtel (CDU), Paul Gerhard Weiß (FDP), Dirk Gene Hagelstein (SPD), Wolfgang Stregmann-Kuhn (Grüne) und Christine Buchholz (Linke) versuchten in der von Asemina Tassopolou und Mehmet Acigüz (beide Q3) sowie der Initiative „Wahlgang 13“ geleiteten Diskussion den Schülerinnen und Schülern die Bedeutung von Politik heute zu vermitteln.

Pol-Diskussion mit Bundestagskandidaten Aug 13 - 2 klein

Nach einer kurzen Eigenvorstellung aller Kandidaten und einem Video-Clip, warum wir wählen gehen sollten, begann die zweistündige Diskussion mit folgenden Hauptthemen:

  • Migration und Integration – Deutschland als Einwanderungsland und Chancen für Migranten
  • NSA – Werden wir überwacht? Die Freiheit des Internets
  • Europa – Bildungschancen und unsere Zukunft in Europa

Beim ersten Hauptthema „Migration und Integration“ ging es vielen Schülern darum, dass die Politik zwar immer behaupte, dass sie viel für die Integration geplant habe, dann aber nichts passiere. Schüler beschwerten sich, dass es an Veranstaltungen mangele, die ihnen die Integration erleichtern könnten. Des weiteren hätten viele Angst, aufgrund ihrer Religion oder ihres Aussehens schlechtere Zukunftsaussichten zu haben.

Diese Meinung vertrat auch Christine Buchholz von den Linken. Sie kritisierte die Regierung, dass sie Migranten viel zu wenig unterstütze und die Integration nicht fördere. Sie spitzte zu, dass die Regierung eher eine ablehnende Haltung gegen Imigranten zeige.

Heinz Peter Wichtel (CDU) behauptete dagegen, dass es nicht darauf ankomme, was auf dem Kopf drauf sei, sondern was in ihm stecke und er bezog seine Meinung auf die Kopftuchdebatte. Seiner Meinung nach gehe es den Firmen um Erfolg und deshalb komme es ihnen darauf an, gut ausgebildete junge Menschen einzustellen, egal, welche Nationalität sie besäßen. Jedoch sei bekannt, dass es bisweilen aufgrund von Aussehen oder Kleidung zu Nichteinstellungen komme. Dies sei jedoch nur in sehr wenigen Ausnahmefällen vorgekommen und er, Wichtel, weise dieses Verhalten sehr nachdrücklich zurück.

Pol-Diskussion mit Bundestagskandidaten Aug 13 - 1 klein

Das zweite Hauptthema „NSA-Skandal“ startete mit einem Vorwurf des Kandidaten Dirk Gene Hagelstein (SPD) gegenüber der amtierenden Regierung, dass diese nämlich den Skandal totschweige. Die Regierung, insbesondere die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), sei nicht an der Aufklärung interessiert und habe schon vorher gewusst, dass die USA deutsche Firmen und deutsche Bürger ausgehorcht hätten. Dabei werde massiv in die Privatsphäre der Bürger eingegriffen und deren Grundrechte verletzt. Dass die Regierung jedoch davon gewusst haben solle, verwies Heinz Peter Wichtel (CDU) ins Reich der Legenden.

Auch den Vorwurf, dass die Regierung nichts dagegen unternehme, sei falsch. Die Regierung sei sehr wohl an der Aufklärung interessiert. Momentan sei man dabei, ein internationales Abkommen zu entwickeln. Des weiteren verwies er darauf, dass auf deutschem Boden deutsches Recht angewendet werde. Jedoch würden viele E-Mails über Server im Ausland laufen, bei denen deutsches Recht nicht gelte. Da habe die Bundesrepublik Deutschland keinen Einfluss, was mit den Daten passiere.

Pol-Diskussion mit Bundestagskandidaten Aug 13 - 3 klein

Das dritte Hauptthema befasste sich mit dem Bildungssystem in Deutschland. Bevor die Diskussion über dieses Thema begann, wurden die anwesenden Schülerinnen und Schüler bei einer Abstimmung befragt, ob sie das Schulsystem G8 oder G9 bevorzugten. Eindeutig mit über 90% für G9 sprach sich die Schülerschaft aus.

Wolfgang Stregmann-Kuhn (Grüne) sowie Dirk Gene Hagelstein (SPD) kritisierten G8 stark, da es unbedacht und überstürzt eingeführt worden sei. Sie forderten deshalb, dass sich das Schulsystem in Deutschland ändern müsse. Ihrer Ansicht nach müsse man die Bildungsanstalten in Richtung Ganztagsschule entwickeln. Dadurch hätten die Schüler die Möglichkeit, länger gemeinsam zu lernen und das wichtige Gut der Bildung und des Wissens nachhaltig zu verinnerlichen.

Paul Gerhard Weiß (FDP) räumte ein, dass die hessische Landesregierung damals überstürzt gehandelt habe. Man habe jedoch wegen des nationalen und internationalen Vergleiches schnell mit einer Schulzeitverkürzung nachziehen wollen, denn G8 sei in den meisten Ländern Europas schon lange realisiert. Außerdem sagte er, dass sich G8 noch im Entwicklungsprozess befinde und weiterhin sehr viel getan werden müsse, zum Beispiel neue Bücher beschaffen und die Stundenpläne überarbeiten. Darüber hinaus sprächen die guten Abiturergebnisse eher für G8 und es seien weniger G8-Schüler durchs Abitur gefallen. Nach solchen Erfolgen solle man nicht alles gleich wieder „in die Tonne werfen“, was man sich aufgebaut habe, sondern es weiter verbessern.

Die Podiumsdiskussion war eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Die Schüler konnten ihre Fragen direkt an die Politiker stellen und erhielten substantielle Antworten. Die Politiker konnten den Schülern verdeutlichen, wofür sie und ihre Parteien stehen, und warum man am 22. September ein Kreuz hinter ihre Partei machen sollte.

Aaron Schumacher (Q3) und J. Kaminski [9/2013]