Sie sind die am besten ausgebildete Generation Spaniens, haben studiert, besitzen Fremdsprachenkenntnisse, sind weltgewandt – und dennoch: Jeder zweite spanische Jugendliche ist arbeitslos; für viele ist der Gang ins Ausland die einzige Möglichkeit der Existenzsicherung.

Organisationen wie z. B. die hessische Handwerkskammer bieten spanischen Immigranten eine duale Ausbildung, also eine Kombination aus praktischer Ausbildung im Betrieb und theoretischem Unterricht in der Schule, an.

 

Um noch mehr über die Auswirkungen der bereits im Rahmen des Unterrichts besprochenen Wirtschaftskrise zu erfahren, fuhren wir – 6 Schülerinnen des Spanisch-Leistungskurses der Q4 – mit unserer Lehrerin Frau Ivan und einer Mitarbeiterin des Kultusministeriums, Frau Hauf, am 24. Februar 2014 zur Handwerkskammer nach Frankfurt.
Dort wurden wir zunächst herzlich von Tania Conde und Alberto Coronado aus dem Team „Work in Hessen“ empfangen und durften im Anschluss ein Interview mit 6 spanischen Jugendlichen zwischen 21 und 36 Jahren führen.

Zu diesem Zweck hatten wir zuvor einen Fragebogen erstellt, der Aufschluss über das Leben in einem fremden Land, die Vergangenheit der Interviewten in Spanien und deren Einstellung zur aktuellen Wirtschaftssituation geben sollte.

Die Resonanz auf unsere Fragen war einstimmig: Auch wenn die Jugendlichen sich mittlerweile einigermaßen in Deutschland eingelebt haben, vermissen sie ihre Freunde und Familien in Spanien und würden jederzeit zurückkehren, wenn die Lage es nur zuließe. Einige haben auch schon an Protestmärschen gegen die Regierung teilgenommen, da die Politiker in ihren Augen Hauptschuldtragende der Krise sind.

Obgleich sehr ernste Themen angesprochen wurden, war die Stimmung gelockert; unsere Interviewpartner ließen immer wieder einige Witze einfließen und schienen auch Freude daran zu haben, uns ihre Ansichten mitzuteilen.

Nach einem Gruppenfoto zum Abschied diskutierten wir auf dem Rückweg noch mit gemischten Gefühlen über das Erlebte – zum einen waren wir begeistert von der Möglichkeit, unsere Spanischkenntnisse einmal auf die Probe stellen zu können und Informationen zu unserem Halbjahresthema aus erster Hand zu bekommen. Zum anderen hatte uns der Tag vor Augen geführt, dass wir in unserem Alltag viel zu selten über den Tellerrand blicken und das Leben in einem wirtschaftlich gesicherten Land keine Selbstverständlichkeit ist.

Rosanna Ullrich, Q4
[3/2014]