Dr. Anamaria Depner zu Gast an der Albert-Schweitzer-Schule

Vortrag Depner Schulkünstler 5-2014 01

Im Rahmen des Schulkünstlerprojektes „Die letzten Dinge“ war Frau Dr. Anamaria Depner (Freiberufliche Wissenschaftlerin, Ethnologin) am 6. Mai 2014 zu Gast an der Albert-Schweitzer-Schule.

Ihr Forschungsbereich überschneidet sich thematisch mit dem Thema des von dem Schulkünstler Klaus Schneider-Grimm geleiteten Projekts, an dem Mai Chu, Melissa DiVittoria, Marta Gorol, Zara Mitrev und Klaudia Szabo (Q 2) mit viel Engagement teilnehmen.

Die Wissenschaftlerin Dr. Anamaria Depner hat sich im Rahmen ihrer Forschungsarbeit der Wertigkeit der Dingwelt gewidmet und ältere Menschen beim Wohnwechsel in ein Altersheim begleitet.

Das Schulkünstlerprojekt widmet sich ebenfalls der Begegnung mit älteren Menschen, die beim Umzug von ihren Wohnungen in ein Altersheim „besondere“ Dinge, eben die „letzten Dinge“, mitnehmen, diese aufbewahren oder auch nicht. In Einzelgesprächen mit mehreren Bewohnerinnen des DRK-Seniorenheimes in Offenbach haben die Projektteilnehmerinnen über Wochen hinweg Gespräche geführt, Geschichten über die Bedeutung diverser Objekte gesammelt, aber auch anhand von Fotografien der Besuchten Damen viele Lebensgeschichten verfolgt.

Vortrag Depner Schulkünstler 5-2014 02

Am Dienstagabend konnten viele Schülerinnen und Schüler der Kunstkurse E2 und Q2 den Berichten und dem Erfahrungsaustausch zwischen Projektteilnehmern und Frau Dr. Depner verfolgen.

Vortrag Depner Schulkünstler 5-2014 03

Nach einleitender Vorstellung des noch laufenden Schulkünstlerprojektes, wurde unter anderem von der Begegnung mit Frau Liselotte Schumann im DRK-Seniorenzentrum berichtet (siehe unten: Kurzer Bericht des Besuchs bei Frau Liselotte Schumann).

Vortrag Depner Schulkünstler 5-2014 04
Einen wissenschaftlich fundierten Einblick in die, mit den Umzug in ein Altersheim beginnende neue Lebensphase älterer Menschen, konnte den Besuchern Frau Dr. Depner geben, wobei auch die, mit einhergehende, emotionale Tragweite ins Gespräch kam.

Vortrag Depner Schulkünstler 5-2014 05
Beeindruckend war es, anhand der projektierten Fotografien eine ganze Wohnungseinrichtung aufgelöst und zu einem relativ kleinen, da komprimierten Bretterberg zusammengeschichtet zu sehen. Hier war schon der Wandel des Objekthaften erkennbar und vor allem deren Bedeutungs- und Werteverlust.

Vortrag Depner Schulkünstler 5-2014 06
Frau Dr. Depner erzählte, dass viele ältere Menschen nicht wirklich selbst entscheiden können welche Dinge sie in ein Altersheim mitnehmen und diese Auswahl oft den Angehörigen zufällt.

Daher hat Frau Dr. Depner bei ihrer Forschungsarbeit jene Menschen begleitet, die diese Entscheidungen noch selbst vornehmen konnten und berichtet zur Überraschung vieler, dass nicht immer jene Dinge ausgewählt werden, die man als Außenstehender vermuten würde.

So hatte eine ältere Dame nur wenige, funktional brauchbare Dinge mitgenommen und selbst ein Bild ihrer Eltern in der vorherigen Wohnung zurückgelassen.

Auch wurden zuweilen sehr emotional besetzte Objekte sogar vor dem Umzug zerstört, gerade weil sie von so großer Bedeutung waren und eben diese Wertigkeit diesen Dingen nur so lange anhaftet, wie die Besitzer leben. Und die ältern Menschen waren sich bewusst, dass diese Wertigkeit nicht bleibt und nur zu ihnen gehört.
Dinge, wie z.B. Schmuckstücke, erklärt Frau Dr. Depner besitzen einen doppelten Charakter: einen sehr persönlich emotionalen (für den Besitzer) und gleichzeitig einen distanziert sachlichen (als Objekt selbst). Die Vorstellung des persönlichen Werteverlusts dieser besonderen Dinge war für einige ältere Personen unerträglich und durch die Zerstörung blieb die Bedeutung einzig ihnen erhalten.

Dagegen werden Fotografien vielfach aufgehoben, nicht nur als Erinnerung, sondern auch da diese Aufnahmen bestimmbare Personen wiedergeben, die dem Betrachter eine eindeutige Auslegung ermöglichen und diese Aussagefähigkeit erhalten bleibt.

Die Erfahrung, dass die bisher besuchten Bewohnerinnen im DRK-Seniorenheim viele Fotografien aufbewahren und anhand dieser über ihre Erinnerungen erzählen, hatten auch die Schülerinnen der Kunstporjektgruppe gemacht und fleißig mitprotokolliert.

Vortrag Depner Schulkünstler 5-2014 07
Im Anschluss an den spannenden Bericht von Frau Dr. Depner hatten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit Erfahrungen auszutauschen und Fragen zu stellen.

Vortrag Depner Schulkünstler 5-2014 08

Dass während dieser Begegnungen zwischen Jung und Alt emotionale Bindungen entstanden waren und auch, dass sich die ältern Menschen jungen Menschen gegenüber oftmals offenherzig gezeigt hatten, waren gemeinsame Erfahrungen.

Die Erkenntnis, wie viele Erlebnisse und Erfahrungen die ältern Damen in ihrem langen Leben gesammelt hatten, im Vergleich zu den eigenen als noch junger Mensch, verdeutlichte eine Schülerin sehr gefühlvoll, wodurch die Dimension „Lebenszeit“ besonders deutlich wurde.

Viele Erfahrungsberichte über vergangene Zeiten, von denen die Schülerinnen nur theoretische Kenntnisse haben können, wurden durch die Verbindung mit den persönlichen Lebensgeschichten der alten Menschen für die Projektteilnehmerinnen intensiv erfühlt und die älteren Damen fühlten sich bei dem Besuchen sehr wohl und erzählten gerne.

Dass die Begegnungen von Alt und Jung für beide Seiten sehr bereichernd waren und noch sind, bestätigte auch Frau Dr. Depner, der wir für ihr Engagement sehr herzlich danken.

Vortrag Depner Schulkünstler 5-2014 09
Vielen Dank auch den Projektteilnehmerinnen, die mit hohem Einfühlungsvermögen Gespräche führen und nicht zuletzt durch ihre Zuverlässigkeit zum Gelingen der Projektes beitragen.

Vortrag Depner Schulkünstler 5-2014 10

Auch an Anton Lehmkuhl ein Dankeschön, der währen der Veranstaltung viele gute Fotografien gemacht hat.

Das Schulkünstlerprojekt „Die letzten Dinge“ sieht noch weitere Besuche im DRK-Seniorenheim vor. Diese Begegnungen zwischen „Jung und Alt“ werden auch fotografisch dokumentiert.

Am 8. Juli 2014 werden die Ergebnisse des Schulkünstlerprojektes in der Alber-Schweitzer-Schule ausgestellt.

Das 1822-Schulkünstlerprojekt ist eine gemeinsame Aktion der Schule, der Stiftung
der Frankfurter Sparkasse und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

Vortrag Depner Schulkünstler 5-2014 11
(Fotografien oben von Anton Lehmkuhl)

Kurzer Bericht des Besuchs bei Frau Liselotte Schumann im DRK-Seniorenzentrum:
Vortrag Depner Schulkünstler 5-2014 12

Die 92 Jahre alte, in Frankfurt/Griesheim geborene Frau Schuhmann, die sich selbst als einen unbeschwerten Menschen bezeichnet, erzählte, sie sei bei liebevollen Eltern mit drei Geschwistern aufgewachsen, die sie als ihre Engel bezeichnet. Und so finden sich viele verschiedene Engelsfigürchen in ihrem Zimmer, denn sie glaubt auch an ein schönes Jenseits mit Engeln.

Vortrag Depner Schulkünstler 5-2014 13

Auch von ihren Erlebnissen während des Zweiten Weltkriegs im Mädchenlager in Büdingen, welches sie in guter Erinnerung hat, da auf dem Land die zerstörerischen Kriegsangriffe nicht so verheerend waren wie in den Städten, erzählt sie ein fast lustiges Erlebnis: Während der täglichen Fahnenhissung blökte eine Ziege und sie bekam einen Lachkrampf. Darauf folgte ein Verfahren und Strafdienst, weil man ihr unterstellte, sie habe die Hakenkreuz-Fahne verspottet.
Vortrag Depner Schulkünstler 5-2014 14

Und Frau Schumann, die gerne reist, weist uns auch auf eine Holzschachtel aus Russland hin, die sie von Freunden aus Russland geschenkt bekommen hat.„Es ist unglaublich wie herzlich ich diese Menschen erlebte, nach all dem was sie mit uns erlebt haben“.
Vortrag Depner Schulkünstler 5-2014 15

[Gri – 5/2014]