Am Montagnachmittag (29.9.14) stand für die Schülerinnen und Schüler der E- und Q-Phase ein ganz besonderes Ereignis auf dem Stundenplan. So besichtigten die Teilnehmer an dem FAZ-Projekt „Jugend schreibt“ nicht nur eine der größten Druckereien Deutschlands (Sozietätsdruckerei in Mörfelden), sondern auch die Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) in Frankfurt.

FAZ-Exkursion 2014 - 7  klein

Wesentlich interessanter als die Räumlichkeiten war allerdings der wortgewandte Interviewpartner Anno Hecker, der den „zukünftigen Journalisten“ interessante Einblicke in seine Tätigkeit als Ressortleiter „Sport“ gewährte. Er arbeitet seit 1991 für die “Frankfurter Allgemeine” und leitet die Sportredaktion. Er erzählt, dass er früher sehr viel gereist sei, was ungefähr 70% seiner Arbeit seiner ausgemacht habe, aber mittlerweile bestehe dieser Anteil nur noch aus 10% seiner Arbeitszeit.

FAZ-Exkursion 2014 - 3  klein

Es arbeiten 26 Redakteure und 2 Sekretärinnen für den Sportbereich, die täglich mehrere Ausgaben herausbringen. Ein wichtiger Bereich des Sportressorts ist Fußball, daher fahren häufig gleich mehrere Redakteure zu den großen Spielen, um die Leser auf den neusten Stand zu bringen. Sie arbeiten sehr schnell, da die meisten Artikel schon am Ende des Spiels geschrieben sein müssen. Deshalb ist es aus Heckers Sicht auch kein Problem, wenn sich bei dem ein oder anderen Artikel doch einmal der Fehlerteufel einschleichen würde. Da viele Informationen mittlerweile kostenlos zur Verfügung gestellt werden, so erklärt Hecker, werde sich die Zeitung in den nächsten Jahren verändern, weil dadurch den Printmedien sehr viel Geld verloren gehe.

Die Artikel im Netz seien jedoch häufig oberflächlicher als jene in der FAZ. Der dreifache Vater erklärt uns, dass er nach der Schule nicht gewusst habe, was er werden wolle, aber sehr viel geschrieben habe. Daher habe er die Dinge miteinander verbunden, die ihn am meisten interessierten: Schreiben und Sport. Er entwickelte Kontakte durch das freie Arbeiten beim deutschen Rundfunk und kam dadurch an den Job bei der FAZ.

Die Arbeitszeiten als Journalist seien sehr unterschiedlich, aber die Redakteure versuchten eine 5-Stunden-Woche einzuhalten, was ihnen aufgrund vieler Überstunden nicht immer gelänge. Außerdem sagt der 50-jährige, dass die Welt nie still stehe und daher immer wieder neue News und Geschichten geschrieben würden, was eine gewisse Bereitschaft erfordere.

FAZ-Exkursion 2014 - 2  klein

In dem Jahre 1997 schrieb er über die “Tour de France”, wo er Jörg Pafrat, einen Radprofi, traf, der ihm interessante Einblicke in die Schattenseiten des Radfahrsports bzw. die damalige Dopingpraxis geliefert habe. Dieser Fall ist nach eigener Aussage der Skandalöseste, über welchen er je geschrieben habe.

Das Highlight seiner Karriere als Sportredakteur sei dagegen das Jahr 2010 gewesen, in dem Sebastian Vettel in der Formel 1 überraschend den Gesamtsieg errang, obwohl es so aussah, als ob er es nicht schaffen würde. Es war sehr spannend und interessant, da er es am Ende doch schaffte und Erster wurde.

FAZ-Exkursion 2014 - 6  klein

“Ein Journalist arbeitet wie eine Maschine”. Zu dieser Feststellung gelangte der Sportjournalist, als er uns eine besonders tragische Episode seines Schaffens schilderte. Er musste im Jahre 1994 über zwei Piloten berichten, die ums Leben gekommen waren. Es gab viele Verletzte, die zu der Zeit in Heckers Alter waren, was sehr unangenehm für ihn war.

Doch wie kommt man als Redakteur eigentlich jeden Tag wieder auf neue interessante Storys? Die Themen, über die geschrieben werde, entwickelten sich oft bei den Redakteuren erst im Kopf. Wenn diese etwas Interessantes gehört hätten, recherchierten sie weiter, wofür man allerdings zunächst ein Gespür entwickeln müsse.

FAZ-Exkursion 2014 - 3  klein

Wenn es so scheine, dass es die Leser interessieren könnte, würde darüber geschrieben. Je mehr Zeit man in ein Produkt steckt, umso besser wird der Artikel. Deshalb sollte man bei einigen Artikeln, besonders bei längeren Reportagen, lieber einen Tag länger mit der Veröffentlichung warten, um diese zuvor noch einmal aufmerksam lesen zu können.

Zu den Fragen nach seinem Gehalt als Journalist entgegnete Hecker dagegen cool: “Über Zahlen wollen wir heute nicht reden!“ So könne man in diesem Beruf nicht unbedingt das Ziel verfolgen, reich zu werden. Viel eher stehe hier die Leidenschaft im Vordergrund.

FAZ-Exkursion 2014 - 4  klein

Kräftiger Applaus der anwesenden Schülerinnen und Schüler der E1 und des Deutsch-LKs Q1 für diesen sehr informativen Vortrag, der eine schöne Exkursion gelungen abrundete.

Celine Höhn, Q1
[10/2014]