Die Oper La Bohème – Eintauchen in eine andere Welt der Musik

Am 4. Februar 2015 besuchten die Klassen 9b und 9c in Begleitung ihres Musiklehrers, Herrn Dr. Lemmermann, sowie Frau Dr. Schäfer, Herrn Neubauer und Herrn Drees die berühmte Oper „La Bohème“ des italienischen Komponisten Giacomo Puccini. Für uns Schüler, war es ein ganz neues und besonderes Ereignis.

Schon Wochen vorher war die Vorfreude auf diesen Abend zu spüren und vor allem die Mädchen überlegten, wie sie sich an diesen Abend kleiden sollten. Schließlich war es das erste Mal, abgesehen von familiären Feiern, wo man sich einmal richtig „herausputzen“ konnte. Sowohl als die ungewohnte, noble Atmosphäre, als auch die klassische Musik waren für uns neu, weshalb wir alle ganz gespannt und neugierig an diesem Abend waren.

Boheme 2015

Das traurige und berührende Stück handelt von vier Künstlern namens Colline (Philosoph), Rodolfo (Dichter), Schaunard (Musiker), und Marcello (Maler), die ein fröhliches und unbeschwertes, aber armes Leben in Paris  führen. Daher leitet sich auch der Name „Bohème“ ab ,denn damit ist eine Gruppe von Künstler gemeint, die sich nicht an Normen und Regeln halten, sondern ihre künstlerischen Kreativität und Lebenslust freien Lauf lassen will.

Der eher schüchterne Rodolfo verliebt sich in die todkranke, zarte und hübsche Mimi, der es im Laufe der Oper wegen ihrer Schwindsucht (Tuberkulose) immer schlechter geht und deshalb die Beziehung dabei stark belastet und die letztendlich ein tragisches und trauriges Ende erwartet. Marcello, der früher mit der temperamentvollen und aufdringlichen Musetta zusammen war, sich aber von ihr trennte, verliebt sich ein zweites Mal in sie. Am Ende jedoch gehen die beiden wieder aus Zorn  auseinander. Die  Beziehung zwischen Rodolfo und Mimi endet ebenfalls unglücklich: Mimi stirbt an ihrer unheilbaren Krankheit und Rodolfo ist verzweifelt und am Boden zerstört.

Im Musikunterricht befassten wir uns vor dem Besuch natürlich genauer mit der Oper, besprachen die Handlung, charakterisierten und analysierten die einzelnen Personen und ihre Leitmotive  (kurze charakteristische Melodien die einer Person oder Situation zugeordnet sind)

Am 4. Februar 2015, war es endlich soweit: Wir kamen pünktlich und „in Schale geworfen“ am  Opernhaus in Frankfurt an und wurden ein letztes Mal daraufhin gewiesen, uns in der „Welt der Erwachsene“, wie wir sie später nannten, gut zu benehmen. Zu Beginn der Vorstellung saßen wir alle in dem ziemlich beeindruckt großen Opernsaal und warteten, bis der Vorhang hoch ging. Es gibt im Zuschauerraum mehrere „Balkone“ (Ränge). Wir hatten aber keine Plätze oben, sondern im Parkett, die ziemlich weit hinten, dafür aber zentral gelegen waren, sodass wir einen perfekten Blick auf die gesamte Bühne genießen konnten. Außerdem konnten wir gut den Übertitel lesen, was nicht selbstverständlich war, da man von einigen Plätzen aus den deutschen Text nicht mitverfolgen konnte und sich dann mit dem italienischen Gesang zufrieden geben musste. Im Saal wurde es dunkel und das täuschend echte Bühnenbild erschien. Die erste Melodie, die aus dem Orchestergraben ertönte, war das wilde, lebhafte Leitmotiv der vier Künstler, das für uns das Zeichen war, dass bald die vier Freunde erscheinen werden.

Im 1. Akt klopft die zierliche Mimi an die Wohnung der Künstler und sie bittet Rodolfo, der alleine ist, um ein wenig Licht für ihre Kerze. Rodolfo verliebt sich sofort in Mimi und anschließend gestehen sich Mimi und Rodolfo in einer längeren Arie ihre Liebe und stellen sich gegenseitig vor. Nach ca. 35 Minuten war der erste, romantische Akt zu Ende und man konnte während der Bühnen-Umbauarbeiten sich kurz aus der steifen Haltung befreien.

Im 2. Akt, der fröhlich und feierlich wirkte, vergnügen sich die Künstler und Mimi in einem Café und Marcello sieht seine Ex- Freundin Musetta mit einem alten, wohlhabenden Herrn namens Alcindoro. Als Musetta Macellos Eifersucht erkennt, „wimmelt“ sie den alten Alcindoro mit einem Trick ab  und die beiden kommen wieder zusammen und schließlich feiern die sechs Freunde miteinander und schließen sich einer Parade an. Nachdem die erste Hälfte der Oper vorbei war, folgte eine 20 minütige Pause, in der einige die Oper genauer erkundeten und sich bei ein paar kleinen Snacks und Getränken unterhielten. Nachdem es dreimal klingelt hatte, fanden sich alle wieder im Zuschauerraum.

Im dritten, melancholischen und schwermütigen Akt erklärt Rodolfo Marcello, dass er Mimi verlassen wolle, weil er nicht genügend Geld habe um ihr die notwendige Medizin für ihre Krankheit zu kaufen. Mimi hört heimlich das Gespräch mit und als sie aus ihrem Versteck erscheint, entschließen sich die beiden, erst im Frühling auseinander zu gehen. Marcello und Musetta trennen sich ebenfalls, da Musetta angeblich wieder eine Affäre mit einem anderen Mann habe.

Im letzten Akt, dem bewegendsten, traurigsten und tragischsten des Stückes, bringt Musetta Mimi mit in die Wohnung der Künstler, die sich mittlerweile in einem stark verschlechterten gesundheitlichen Zustand befindet. Als die Freunde, außer Rodolfo bemerken, dass es mit Mimi dem Ende zu geht, erfüllen sie ihr ihren letzten Wunsch. Als Rodolfo bemerkt, das Mimi verschieden ist, ist er am Boden zerstört und bricht zusammen. Der „Todesakkord“ erklingt und der Vorhang senkt sich herab. Das Stück ist aus.

Nach dem Ende der Oper machten wir noch ein paar Fotos und fuhren dann nach Offenbach zurück. Auch wenn es vielleicht nicht jedermanns Musikgeschmack ist, wird es ein schönes und unvergessliches Ereignis für jeden Schüler bleiben.

Boheme 2015-1

Diese Oper war einfach so emotional, berührend und traurig, wie kein Film zuvor, denn in einer Oper wirken die Gefühle und Emotionen der Darsteller noch einmal ganz anders und viel direkter auf den Zuschauer als im Kino auf der Leinwand.

Franziska Walther, 9b
[5/2015]