Welches sind denn die 19 Grundrechte, die im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland stehen? Wozu sind sie eigentlich da? Und vor allem: Was kann man tun, um diese zu schützen?

Mit diesen Fragen befasste sich die Veranstaltung „GG19 – Ein guter Tag für die Demokratie“ vom Verein „Multivision“ am 16. September 2015 in der Albert-Schweitzer-Schule (ASS). An der Veranstaltung nahmen die Schülerinnen und Schüler der Q3 sowie die PoWi-Leistungskurse der Q1 teil.

GG19 2015 Slide

Die Veranstaltung „GG19“ beschäftigt sich mit den ersten 19 Artikeln des Grundgesetzes – den Grundrechten. Der wohl wichtigste und bekannteste ist Artikel 1, der besagt, dass die „Würde des Menschen unantastbar“ ist.

Aber auch weniger bekannte Artikel wurden thematisiert, wie der Artikel 18, der besagt, dass unter bestimmten Umständen (Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung) die Grundrechte auch verwirken können. Doch was heißt das eigentlich konkret? Diese und andere Fragen wurde diskutiert, eingeleitet durch eine kleine Filmsequenzen über einen Grundgesetzartikel, worauf eine Diskussion im Plenum folgte.

GG19 2015 04

Die Themen kamen häufig aus dem Umfeld der Schülerinnen und Schüler. So war vielen wahrscheinlich nicht bewusst, dass es in vielen anderen Ländern nicht selbstverständlich ist, dass man die Musik hören darf, die man mag, sondern es Einschränkungen und Zensur gibt. Ebenso gilt dies für die Religionsfreiheit oder die freie Meinungsäußerung. Hier wurde durch die Moderatoren ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass die Grundrechte uns jeden Tag begegnen.

GG19 2015 02

Die Moderatoren zeigten im weiteren Verlauf noch andere Filmsequenzen, unter anderem über den Art. 3 des Grundgesetzes (GG). Dieser handelt von der Gleichberechtigung aller Bürger. Im konkreten Fall ging es um die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Eine andere Filmszene behandelte den Art. 13, in dem es um die Unverletzlichkeit der Wohnung ging. Im konkreten Fall ging es darum, ob ein 9-jähriger Junge dem Jugendamt die Tür öffnen muss? Der Junge verweigert dies. Da sich im Nebenraum seine drogenabhängige Mutter befindet und er sogar für sie kochen muss, vertraten viele Schülerinnen und Schüler die Auffassung, dass hier der Staat das Recht habe auch gegen den Willen der Bewohner die Wohnung zu betreten. Nach einer kontroversen Diskussion verdeutlichten die Moderatoren, dass dieses aber nur gestattet sei, wenn eine akute Gefahr für Leib und Leben in Verzug sei – und dies war im vorliegenden Beispiel nicht der Fall.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde der Artikel 16a thematisiert, das Recht auf Asyl für politisch Verfolgte. Dazu wurde Peter Keup als Zeitzeuge eingeladen, der von seinem gescheiterten Fluchtversuch aus der DDR und der anschließenden Inhaftierung im Gefängnis Hohenschönhausen eindrucksvoll berichtete.

GG19 2015 05

Im dritten Teil der Veranstaltung gab es eine Podiumsdiskussion, an der neben Herrn Keup noch Helmut Rademacher aus dem Hessischen Kultusministerium teilnahm, der Programmleiter im Bereich „Gewaltprävention und Demokratie lernen“ ist. Der dritte Gast war Mike Josef (SPD), Stadtverordneter der Stadt Frankfurt am Main und gebürtiger Syrer.

Eine vor der Diskussion gezeigte Filmszene thematisierte das Kopftuchverbot an Schulen. Daraufhin gab es eine große Diskussion und es war die Meinung der Schüler gefragt, ob diese mit dem Verbot einverstanden seien oder nichts dagegen hätten. Hier gab es nur kleine Meinungsverschiedenheiten, die meisten Schüler hatten letztlich nichts dagegen, solange die Lehrerin neutral bleibe.

Es folgte eine Frage, die alle zum Staunen brachte: Die Moderatoren wollten wissen, welche Schüler keinen deutschen Pass besäßen bzw. nicht deutscher Herkunft seien. Man konnte deutlich erkennen, dass mehr als die Hälfte der im Saal anwesenden Schüler aufstanden und nur noch wenige sitzen blieben. In diesem Moment wurde allen Schülern bewusst, wie vielfältig die Herkunft an unserer Schule ist und dass viele von interkulturellen Themen betroffen sind.

GG19 2015 03

Am Ende des Tages und auch am Ende der Veranstaltung war es höchstwahrscheinlich allen Schülerinnen und Schülern klar, wie kostbar die Grundrechte für uns Bürger sind und wie häufig man doch dafür eintreten muss, dass sie nicht verletzt werden.

Kathrin Schuller (Q1), Alexandra Vorgic (Q3)

[10/2015]