Dienstag, 19. April 2016, 9:40 Uhr. Sieben Schülerinnen und ein Schüler treffen sich an der S-Bahnhaltestelle. Fünf Minuten später. Eine Frau kommt dazu. Sie verteilt Flaggen.

Um 9:50 Uhr. Sie steigen in die Bahn ein…

Dies ist nicht der Auftakt zu einem neuen Kriminalroman. Es wird nicht gleich ein fülliger Polizist hinzusteigen und eine der Schülerinnen tot auffinden. Nein, das hier ist viel besser, denn es ist keine Geschichte, sondern die Realität.

Denn am 19. April 2016 fuhren wir, die Finnland-AG der Albert-Schweitzer Schule (ASS), in Begleitung unserer Gruppenleiterin Frau Holtze an den Frankfurter Flughafen um die dort ankommenden sieben finnischen Austauschpartner und ihre Lehrerin, die für vier Tage unsere Gäste sein sollten, in Empfang zu nehmen.

 Finnland-Besuch-1 Das Empfangskomitee am Frankfurter Flughafen

Große Aufregung, natürlich. Schließlich hatte von uns bisher noch nie jemand selbst an einem Austausch teilgenommen. So standen wir voller Erwartungen, die Geschichten und Erfahrungen anderer Geschwisterkinder, die uns erzählt worden waren, noch im Hinterkopf, gespannt am Gate.

Als „die Finnen“, wie wir sie auch jetzt noch liebevoll zu nennen pflegen, uns dann endlich gegenüberstanden, waren die meisten von uns erst einmal ziemlich erleichtert. Keiner war in seiner Erwartung enttäuscht worden. Wir fanden es zugegeben ein wenig seltsam, dass einige von ihnen sehr zurückhaltend und still waren, doch später erklärte uns Frau Holtze, dass dies zur Mentalität der Finnen gehört.

Die erste Kontaktaufnahme verlief allerdings ziemlich zögerlich. Wir wussten nicht, was wir mit den Finninnen und Finnen bereden sollten und ihnen ging es wohl ebenfalls so. Also bildeten sich auf der Heimfahrt langsam zwei Grüppchen, „die Finnen“ und wir.

In Offenbach angekommen, gingen wir mit unseren Austauschpartnerinnen und Austauschpartnern erst einmal nach Hause. Dort hatten die finnischen Schülerinnen und Schüler Zeit um auszupacken, in den Gastfamilien zu Mittag zu essen und auch ein wenig die Gegend zu erkunden.

Zuerst waren wir nicht sicher, was wir denn mit unseren Gästen unternehmen sollten. Doch dann kam jeder von uns auf eine gute Idee. So spazierten die einen durch die Nachbarschaft, während die anderen ein ausgefallenes Gespräch über Kosmetik führten.

Finnland-Besuch-2

Am Nachmittag trafen wir uns alle wieder, um uns besser kennenzulernen und „den Finnen“ unsere Schule zu zeigen. Zu Letzterem hatten einige von uns informative kleine Vorträge vorbereitet. Daher entstand eine kleine Führung durch die Albert-Schweitzer Schule die unter anderem an der Kopfskulptur des Schul-Namengebers einen Stopp einlegte.Finnland-Besuch-3Gemeinsam eine Aufgabe lösen und dabei einander kennen lernen

Am Abend gingen alle gemeinsam in die „Hessewirtschaft“ zum Grüne-Soße-Essen. Es war ein lustiger und interessanter Ausklang, obwohl am Ende doch mehr Finninnen und Finnen das typisch hessische Gericht aßen als wir selbst.

Am nächsten Tag war ein Schulbesuch angesagt.

Finnland-Besuch-4Begrüßung der Lehrerin Aira Undén-Selander und der finnischen Schüler durch den Schulleiter Ulrich Schmidt

Also saßen um 7:45 Uhr sieben finnische Austauschschülerinnen und Schüler im deutschen Geschichtsunterricht und verstanden, das glauben wir zumindest, obwohl sie doch besseres Deutsch sprachen, als sie zugeben wollten, fast nur „Bahnhof“. Nach diesem langen anstrengenden Schultag aß unsere gesamte Gruppe zusammen in der Schulmensa zu Mittag.

Danach gingen wir Schülerinnen und Schüler natürlich mit unseren Austauschpartnerinnen und Partnern in die Offenbacher Innenstadt zum Eisessen. In dem Schein der warmen Nachmittagssonne setzten wir uns im neu erbauten Hafenviertel ans Wasser, hörten Musik und lernten einander besser kennen. Zwei finnische Mädchen kauften sich einen Füller und probierten ihn begeistert aus, da sie solche in Finnland nicht zum Schreiben benutzen. In finnischen Schulen wird hauptsächlich mit Bleistift und Kugelschreiber geschrieben.

Zwei getrennte Gruppen schienen wir am Abend beim Bowlingspielen schon nicht mehr zu sein:Finnland-Besuch-5 Alina aus Offenbach gratuliert der Gewinnerin einer Bowlingrunde Roosa aus Helsinki

Richtig zusammenwachsen sollten wir jedoch am kommenden Tag:

Spät am Morgen trafen wir uns an der S-Bahn-Haltestelle Marktplatz, um gemeinsam nach Frankfurt zu fahren. Dort stand zunächst eine Sightseeingtour auf dem Programm mit anschließendem Einkaufsbummel in kleinen Grüppchen auf der Zeil.Finnland-Besuch-6Auf dem Eisernen Steg in Frankfurt bei herrlichem Sonnenschein

Nachmittags durften wir dann auf den Commerzbank-Tower fahren und von dort einen herrlichen Ausblick (aus dem 49. Stockwerk!) über ganz Frankfurt bestaunen. Für die meisten war dies eines der größten Highlights.

Finnland-Besuch-7 Wer kommt aus Helsinki und wer aus Offenbach?
Von links nach rechts: Linus aus Offenbach sowie Eelis, Eemeli und Walerius aus Helsinki

Finnland-Besuch-8Die Lehrerinnen Christine Holtze und Aira Undén-Selander auf dem Commerzbank-Tower

Nachher hatten wir erneut Zeit, um uns in Frankfurt noch einmal mit unseren Austauschpartnerinnen und -partnern eigenen Fußes zu bewegen. Einige gingen ein Eis essen, setzten sich ans Mainufer oder gingen schlicht noch einmal shoppen. Hungrig und mit vollen Einkaufstüten trafen wir uns später am Römer wieder, um gemeinsam im „Oosten“ direkt am Main zu Abend zu essen. Vorbestellt und pünktlich auf die Sekunde schmeckte es uns allen dort sehr gut.  Wir Schülerinnen und Schüler beendeten den Abend damit, dass wir uns zusammen hinunter an den Main setzten, dort Musik hörten und Spaß hatten, während unsere Lehrerinnen noch im Restaurant saßen und sich mit den dazu gestoßenen Eltern unterhielten.Finnland-Besuch-9Der perfekte Sonnenuntergang nach einem wunderschönen Tag

Gegen 22 Uhr zerstreute sich die Gruppe und wir fuhren nach Hause. Todmüde fielen wir alle in unsere Betten.

Um 7:45 Uhr am nächsten Morgen übergaben wir die Finninnen und Finnen den Lehrerinnen, die mit ihnen unter anderem durch Offenbach streiften und mit ihnen rückblickend den gesamten Exkurs besprachen. Wir anderen nahmen wie jeden gewöhnlichen Freitagmorgen an unseren Unterrichtsstunden teil, jedoch manche mehr körperlich als geistig, da unsere Gedanken andauernd um „die Finnen“ kreisten. Nach erlösendem Klingeln, das das Ende unseres Schultages bedeutete, beschlossen die meisten gemeinsam Döner essen zu gehen.

Als ganze Gruppe trafen wir uns um 16:00 Uhr, um Adieu zu sagen, an der ASS wieder, von wo aus „unsere Finnen“ zum Flughafen gefahren werden sollten. Die Verabschiedung ging leider sehr schnell von statten. Hier noch jemanden gedrückt, dort einige Worte gewechselt, gewunken und – weg waren „die Finnen“.

So ging eine wundervoll aufregende Woche für uns alle zu Ende.

Deshalb freuen wir uns jetzt alle noch viel mehr darauf, im Herbst nach Finnland zu fliegen und unsere Finninnen und Finnen wiederzusehen…

Sunita Herrmann (Kl. 8b)
[8/2016]Finnland-Besuch-10Abschied an der Albert-Schweitzer-Schule – alle haben sich vermischt