„Welcome in Scotland” – mit diesem Satz werden wir begrüßt, als wir (einige SchülerInnen aus den Orientierungs- und Grundkursen der E- und Q-Phase mit Frau Seuffert) am 6. Juni 2019 die englische Freiluft-Theateraufführung von William Shakespeares „Macbeth” besuchen.

Hat es wenige Minuten zuvor noch geregnet, stehen wir beim Einlass bereits wieder im Trockenen. Die Gegend wirkt zunächst unscheinbar, vor uns liegt eine lange Straße und links reihen sich gewächshausartige Gebäude aneinander.

Nacheinander werden wir durchgelassen und folgen einem kurzen Weg durch ein kleines Waldstück. Überall um uns herum ist nicht etwa eine Wiese mit einer großen Bühne und Klappstühlen, sondern die pure Natur. Vor uns erstreckt sich ein großer Teich, verschiedene Bäume und allerlei anderes Gewächs. Wir sind im Botanischen Garten in Frankfurt.

Nachdem wir noch einige Zeit gewartet haben, geht es endlich los. Wir werden begrüßt und gleich darauf in Gruppen eingeteilt – jede Gruppe hat einen Leiter mit einer großen Flagge, dem wir während der Aufführung folgen sollen. Noch während uns erklärt wird, wie der Abend ablaufen wird, kann man auf den Wegen, die von unserem Treffpunkt wegführen, drei Frauen entdecken. Starr und irgendwie mysteriös stehen sie da, ihre Gesichter verhüllt von schwarzen Tülltüchern. Auch mitten unter uns steht ein Mann, der zunächst genauso bewegungslos dasteht und dadurch fast wie eine Statue wirkt. Dann geht es los.

Die drei Frauen stehen plötzlich in unserer Mitte und spätestens als sie anfangen zu sprechen, ist uns klar – das sind die “weird sisters” – die Hexen.

Nach einem kurzen Dialog sind sie wieder verschwunden und wir bekommen das Kommando loszugehen. Kurz darauf sind wir umhüllt von Kampfgeschrei – vor uns, hinter uns, rechts und links, überall sieht man kämpfende Krieger. Und so geht es weiter – wir laufen von Szene zu Szene und um uns herum erwacht die Geschichte von Macbeth zum Leben.

Nach einer kurzen Pause geht es weiter. In der Dämmerung werden die Schauspieler nun vom Zirpen der Grillen und dem Quaken der Frösche begleitet.

Dann kommt es irgendwann zur letzten Szene. Versteckt hinter einigen Ästen nähern sich der Prinz Malcolm und sein Gefolge dem Lager von Macbeth und es kommt zum alles entscheidenden Kampf. Als bereits viele Männer gefallen sind, treffen Macbeth und Macduff aufeinander. Wähnt ersterer sich zunächst noch in Sicherheit, kommt dann heraus, dass Macduff zu den Wenigen gehört, die in der Lage sind, Macbeth in die Knie zu zwingen. Es kommt zum Zweikampf, welchen Macduff schließlich für sich entscheidet. Die übriggebliebenen Kämpfer versammeln sich um den rechtmäßigen Nachfolger des Königs Malcom und ehren ihn. Nun ertönt der erste Applaus.

Inzwischen ist es dunkel geworden, ein paar wenige Fackeln erleuchten den Weg und die Schauspieler verbeugen sich. Während wir Zuschauer uns nun langsam aufmachen, von unseren Gruppenleitern angeführt, wieder zurück zum Ausgangspunkt zu kehren, stehen die Schauspieler beieinander in einem Kreis, die Arme über die Schultern des jeweils anderen gelegt. Die Stimmung ist zwiegespalten, ausgelassen und nachdenklich zugleich.

Während die meisten auf der einen Seite wohl einfach bloß erfreut über die schöne Erfahrung sind, die sie mit diesem Theater gemacht haben, wird es sicherlich auch andere geben, denen es so ergeht wie uns, denn uns beschäftigen zudem noch die Themen, die in „Macbeth“ besonders aufgegriffen worden sind. Darunter zum Beispiel, wie leicht Menschen zu beeinflussen sind und welche Folgen dies für die gesamte Menschheit haben kann, aber auch, welche Machtgier in uns stecken kann. All das konnte diese Inszenierung von Macbeth gut greifbar machen.

Sie zeigt auch, dass Ereignisse, wie in „Macbeth“ geschildert, nicht immer fiktiv sein müssen, sondern etwas ganz Alltägliches sein können. „Macbeth“ gewährt uns also einen Einblick in die Abgründe des Menschen.

Abschließend kann ich sagen, dass besonders die Darstellungsart des Stücks dafür gesorgt hat, dass man sich so sehr in die Figuren und das Geschehen hineinversetzen konnte, dass man sich fast schon der Geschichte zugehörig fühlte und der Zuschauer am Ende zum Nachdenken über sich und seine eigenen Taten angeregt wird.

Zeraphine Gau (E2)