Am 26. August 2019 unternahm die Q3 einen Ausflug zur Gedenkstätte Point Alpha in der Nähe von Geisa (Thüringen). Dort wurden die Konfrontation der beiden Machtblöcke NATO und Warschauer Pakt im Kalten Krieg und das Leiden der Bürger, entstanden durch die innerdeutsche Teilung, uns Schülern nochmals deutlich vor Augen geführt. Der beiden Machtblöcke im Kalten Krieg und die leidvolle Zeit der innerdeutschen Teilung

Die PoWi-Kurse fuhren gegen 8 Uhr morgens zur Gedenkstätte Point Alpha. Nach der Ankunft begann die ca. zweistündige Führung. Jedem Kurs wurde je ein/e Gästeführer/in zugeteilt, die an unterschiedlichen Orten starteten, wobei die Kurse vom Herrn Scheuermann und Herrn Döldissen mit der Rundführung im US-Camps Point Alpha starteten und die Kurse vom Herrn Bolländer und Gutjahr im ”Haus an der Grenze“ anfingen.

Meine Gruppe von Herrn Bolländers Kurs begann im ”Haus an der Grenze“ und wurde von einer Frau geführt, die selbst aus der Gegend stammt. Wir erfuhren, dass das Gebiet, auf dem wir uns befanden, auch als ”Fulda Gap“ bezeichnet wurde, da dies der westlichste Punkt des Warschauer Paktes war und die NATO im Ernstfall hier einen Angriff der Truppen des Gegners erwartete. Grund für diese Annahme waren auch die günstigen geografischen Bedingungen, die ein schnelles Vorrücken von Truppen und Fahrzeugen ermöglicht hätten.

Im Haus angekommen stand der Kurs zunächst vor einer Doppeltür, auf der die alliierten Siegermächte abgebildet waren, repräsentiert durch Josef Stalin, den Diktator der ehemaligen Sowjetunion, Winston Churchill repräsentierte als Premierminister Großbritannien und Harry Truman, den amerikanischen Präsidenten. Das Bild wurde 1945 während der Potsdamer Konferenz aufgenommen und alle drei stellten die Anti-Hitler-Koalition dar. Interessant war, dass durch das Öffnen der Flügeltür der Bruch dieser Koalition deutlich wurde, mit Truman und Churchill auf der einen und Stalin auf der anderen Seite.

Im weiteren Verlauf wurden zunächst die damaligen Verhältnisse zwischen Ost- und West-Deutschland im Sperrgebiet veranschaulicht. Durch aufgenommene Podcasts konnte man sich einen Eindruck vom Leben der damaligen Grenzsoldaten und der DDR-Bürger verschaffen, die im Grenzgebiet lebten.

Um Fluchtversuchen zuvorzukommen und die innerdeutsche Grenze zu stärken, wurden Grenz- und Wachtürme sowie hohe Stacheldrahtzäune errichtet. Das Problem damals war, dass diejenigen, die in die BRD wollten, beim Überqueren der Grenzanlage Minen ausgeliefert waren oder Grenzsoldaten, die verpflichtet waren waren, so genannte Grenzübergänger zu erschießen. Das Erschießen von Grenzübergängern verdeutlicht auf sehr beeindruckende Weise die inhumanen Bedingungen an der innerdeutschen Grenze. Auch eine Reihe anderer Schicksale von Republikflüchtlingen zeigte sehr deutlich, wie menschenverachtend das ostdeutsche System mit Andersdenkenden umging.

Beeindruckend untermauert wurden diese Eindrücke durch die Überreste der originalen Grenzanlagen, die uns auf dem ca. einen Kilometer langen Weg vom ‚Haus an der Grenze‘ zum US-Camp vor Augen geführt wurden. Hier wurde uns erklärt, wie man durch drei Meter hohe Zäune, PKW-Gräben, Wachhunde oder Selbstschussanlagen versuchte, Andersdenkende an der Flucht in den Westen zu hindern.

Die Führung wurde im US-Camp Point Alpha, einem ehemaligen Beobachtungsstützpunkt der Amerikaner, fortgesetzt. Auf diesem sind bis heute noch viele originale Gebäude und Fahrzeuge zu besichtigen. Außerdem befasst sich ein Teil der Exponate mit dem Leben der US-Soldaten in ihrem Alltag.

Auf einer großen militärischen Karte wurde uns zudem verdeutlicht, mit welchem Angriff die NATO durch den Warschauer Pakt gerechnet hatte. Ein Ziel wurde darin vermutet, den US-Militärflughafen in Frankfurt innerhalb von zwei Tagen einzunehmen. Nach der Wende stellten sich diese Vermutungen als richtig heraus.

Gegen Ende der Führung erzählte unsere Gästeführerin uns die Geschichte von einem Mann namens Stanislaw Petrow, ein Oberstleutnant der sowjetischen Luftverteidigungsstreitkräfte. Dieser beobachtete auf dem Radar vermeintliche angreifende Flugzeuge aus westlicher Richtung. Das System interpretierte diese als Angriffsversuch aus dem Westen, doch Petrow entschloss sich keinen Befehl zum Gegenangriff anzuordnen, womit er einen Dritten Weltkrieg verhinderte.

Schließlich dienen solche historischen und politischen Exkursionen dazu, sich die Vergangenheit bildhaft einprägen zu können.

Aus dem Grund dürfen wir die Vergangenheit nicht ruhen lassen, damit solch extremen Ereignisse wie die aus dem Kalten Krieg sich niemals wiederholen.

Das respektvolle Ehren der Vergangenheit gestaltet die Gegenwart und Zukunft der Menschen.

Aleksandra Mijailovic (Q3)

[10/2019]