Der Q4-Kurs DSP präsentierte am 18. Februar 2020 eine selbst kreierte und selbst erarbeitete szenische Lesung.

Unter dem Titel „Ich. Hier und jetzt… – Identität, Selbst- und Fremdwahrnehmung im Medium Lyrik und biografisch-postdramatisches Theater” wurde in gut 90 Minuten ein fantasievoller und vielseitiger Reigen von Impressionen aus dem (Er-)Leben der Abiturienten auf die Bühne der ASS gezaubert.

Ich…Ich…Ich

„Wer Ich? Was Ich?“ Mit diesen essentiellen Fragestellungen beginnt eine Szene der „Szenischen Lesung“ der Q4 am 18. Februar 2020 in der Mensa der Albert-Schweitzer-Schule.

Kurz nach 19 Uhr verfolgt das Publikum interessiert der Darbietung der Abiturienten, die sich im Rahmen eines halbjährigen Projekts, gefördert von „Kulturfonds Frankfurt RheinMain GmbH“, mit dem Thema „Ich. Hier und Jetzt“ beschäftigt haben. Dabei entwickelten sie gemeinsam mit der Lyrikerin Tamara Labas und den beiden Tänzerinnen und Choreografinnen Katharina Wiedenhofer und Célestine Hennermann unter der Leitung von Herrn Dr. Biccari Texte und szenisches Material, das sie anschließend eigenständig zu einer postdramatischen Collage zusammensetzten.

In ihren Darstellungen geht es um emotionale und vielseitige Themen, die jeden und speziell die Jugendlichen in ihren bisherigen Lebensabschnitten betreffen. So finden beispielsweise (Schul-)Stress und Selbstliebe, aber auch Rassismus und Religion gleichermaßen anklang in den Gedichten und Prosatexten der Schüler, wie Träume und Individualität.

Unterteilt wird der Abend in vier Überkategorien: Ich, Liebe, Kindheit und Vorurteile – mit jeweils fließenden Übergängen zwischen den unterschiedlichen Bereichen.

Im Vordergrund steht dabei durchgängig die Inszenierung beziehungsweise die simple Darbietung der biografischen Texte, die auf individuellen Begebenheiten und Erlebnissen beruhen. So läuft zum Beispiel in einer Szene die Darstellerin über eine unter ihr aufgebaute „Körperlandschaft“ aus dem knienden Rest des Ensembles.

Auch eine Improvisationsszene, in der sich die Schüler aus einem inneren Impuls heraus zueinander auf der Bühne positionieren, ist in den Ablauf eingebaut, auch wenn sie für die Zuschauer nicht als solche identifizierbar sein soll. So entstand auch im Probenprozess eine abwechslungsreiche, unvorhersehbare Skulptur, die die Verfassung der Präsentierenden tatsächlich im „Hier und Jetzt“ zeigte.

Theatrale Gestaltungsweisen des postdramatischen Theaters zeigen sich unter anderem auch in den überwiegend in einem grünen Sessel sitzend vorgelesenen Kindheitserinnerungen, die mit einer Diashow von Kinderfotos untermalt werden. Dabei geht es in den Erzählungen besonders darum, wie die Erfahrungen in der Kindheit die heutige Persönlichkeit geprägt haben, aber auch um das Zurücksehnen nach der kindlichen Leichtigkeit.

Sogar das Publikum selbst wird in die Vorstellung miteinbezogen, indem es zu Beginn aufgefordert wird, eigene Gedanken zu dem Oberthema „Ich. Hier und Jetzt“ während der Vorstellung und in der 15-minütigen Pause aufzuschreiben. Am Ende werden schließlich einige dieser Impressionen von den Darstellern vorgestellt, wobei sich ein individuelles Bild des Publikums abzeichnet, das in Themen wie Stress und Liebeskummer auch den Darstellungen auf der Bühne ähnelt.

Im Anschluss an die Aufführung können alle Texte in einem kleinen Buch erstanden werden. Der Erlös sowie alle Spenden gehen dabei in die Abikasse.

„Ich…auf der Suche“, wie es in einer anfänglichen Szene heißt, beschreibt dabei die circa 90-minütige dramaturgische Auseinandersetzung der jungen Erwachsenen mit sich selbst treffend.

Ein Abend, der wohl auch zu einigen Überlegungen über das eigene „Hier und Jetzt“ anzuregen vermag.

Sunita Hermann, Q4
[2/2020]