Liebe Schülerinnen, liebe Schüler,

heute vor einer Woche hat die Landesregierung beschlossen, den regulären Schulbetrieb bis zu den Osterferien auszusetzen. Sie hat sich damit offensichtlich sehr schwer getan, denn wir mussten bis zum späten Nachmittag auf die Entscheidung warten. Weshalb das so lange dauern musste, ist mir ein Rätsel. Nun ist zudem entschieden worden, das Abitur durchzuführen.

Ich möchte einen Appell an uns alle richten.

Gestern hat sich vor dem Schulgelände nach der Abiturprüfung eine Traube von Schülern gebildet. Ihr habt euch umarmt. Das ist zwar verständlich, aber bitte tut das nicht mehr!!!

Herr Dr. Afilal ist zu euch gekommen und hat euch gebeten, die Gruppe aufzulösen. Wir hatten euch auch schon vorher darum gebeten, nach euren Prüfungen direkt nachhause zu gehen und keine Gruppen zu bilden. Wir haben euch für die Prüfungen auf mehr Räume aufgeteilt als üblich, damit ihr möglichst viel Abstand zueinander habt. Diesen Abstand habt ihr nach den Prüfungen leider selbstständig aufgelöst.

Ihr seid jung und von daher im Fall einer Infektion weniger gefährdet für einen schweren Krankheitsverlauf. Das freut mich für euch. Aber ihr tragt Verantwortung für den Rest der Bevölkerung, vor allem für jene, die älter sind oder eine Vorerkrankung haben. Das Risiko für einen schweren oder tödlichen Verlauf steigt ab einem Lebensalter von etwa 50 Jahren zunehmend an. Ihr könnt bei allen Personen, die euch begegnen, nicht sicher wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert sind. Das sieht man nicht. Ihr pflegt sorglos nahen Kontakt und infiziert euch eventuell ohne es zu merken und ohne Symptome zu bekommen. Und dann geht ihr nachhause zu eurer Familie. Dort ist enger Kontakt der Normalfall und das Weitertragen des Virus ziemlich wahrscheinlich. Ich bin mir sicher, dass das keiner von euch möchte.

Deshalb bitte ich euch inständig darum, alle vermeidbaren sozialen Kontakte zu unterlassen.

Das ist eine schwere Zeit für uns alle. Ich habe eine enge Freundin, die 86 Jahre alt ist und in Würzburg lebt. Ich telefoniere täglich mit ihr, damit sie es besser alleine zuhause aushält und weil ich mich zudem sorge, dass sie erkranken könnte. Ich habe alle privaten Verabredungen für die nächste Zeit abgesagt. Wenn ich morgens aufwache, dann bin ich tief bedrückt. In Italien ist nach heutigem Stand jede zwölfte infizierte Person gestorben. Das ist schrecklich. Und wir können das hier in Deutschland nur verhindern, wenn wir ab sofort unser Leben umstellen: Keine Zusammentreffen – wo auch immer –, die nicht sein müssen.

Lasst uns gemeinsam diese schwere Krise überwinden und dafür sorgen, dass ihr möglichst wenige Menschen zum Opfer fallen!

Liebe Grüße
B. Lorz

[Lorz, 20.3.2020, 12 Uhr]