Die UNESCO der Albert-Schweitzer-Schule beteiligt sich an dem weltweiten Projekt „Jeder Name zählt!“ des Arolsen-Archivs

Als UNESCO-Projektschule engagieren sich etliche Klassen und Kurse der Albert-Schweitzer-Schule Offenbach bei dem Projekt „Jeder Name zählt!“ des Arolsen-Archivs, das seit 2013 zum Weltdokumentenerbe erklärt wurde.

Ziel ist es, die Opfer des NS- Regimes dem Vergessen zu entreißen, indem Schülerinnen und Schüler dabei helfen, die vom Arolsen-Archiv eingescannten Dokumente über Personen in den Lagern zu digitalisieren.

Einige Schülerinnen und Schüler haben in einem Statement bzw. in ausführlichen Berichten ihre persönlichen Erfahrungen und Empfindungen, die sie bei der Bearbeitung der Dokumente bewegt haben, aufgeschrieben.

[Rö – 2/2021]


Vincent Paul Kolipost

Die Bearbeitung der Häftlingskarten im Rahmen des Projektes „Jeder Name zählt!“, hat mir wieder einmal vor Augen geführt, wie viele Menschen ermordet und eingesperrt wurden. Es hat auch sehr gut gezeigt, dass dies Menschen wie wir waren, Menschen, die mitten im Leben standen und einfach aus ihrem Leben gerissen wurden.

Mia Hitrik 

„Ich finde dieses Projekt sinnvoll, weil man so mitwirken kann, dass Opfer des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraten. Man erfährt eine krasse Nähe bei dem Eintragen der Karten, die sich auch manchmal sehr beklemmend anfühlt, aber diese Arbeit ist einfach wichtig für die Nachwelt.”

Antonia Balas

Indem man sich aktiv an der Bearbeitung der Häftlingskarten im Rahmen des Projektes ,,Jeder Name zählt” beteiligt, hilft man, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft dem Vergessen zu entreißen.

Diese Arbeit hat mich entsetzt, weil mir die aktive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und der Blick zurück in die Geschichte demonstrierten, wie grausam die Konsequenzen der Diskriminierung, des Rassismus und des Antisemitismus sein können.

Jedoch wurde mir dadurch ein sehr direkter Weg ermöglicht, den Verfolgten des Nationalsozialismus ein digitales Denkmal zu errichten und durch die Mitarbeit ein Zeichen zu setzen: zur Erinnerung an die NS – Opfer, als Mahnmal für die zukünftigen Generationen und als ein Beitrag für Respekt und Solidarität in der Gesellschaft. Dies war für mich sehr interessant und wichtig gewesen!


Studienreise nach Buchenwald – Teilnahme an dem Projekt „Jeder Name zählt“

von Nikoleta Paressa Athanasiadou

Keine Worte der Welt können das Gefühl von Trauer beschreiben. Doch obwohl Worte versagen und man oft nicht darüber spricht, soll und darf man nicht vergessen. Denn durch das Erinnern vergessen wir nicht die Vergangenheit. Die Vergangenheit soll uns erinnern, damit wir unsere Zukunft besser, sicherer, verantwortungsvoller und freier gestalten können. Das Erinnern ist unsere Aufgabe, das Gedenken ist unsere Pflicht.

Diesen Sinn hat die Nationale Mahn- und Gedenkstätte in Buchenwald. Seit 1958 dient dieser Ort als Denkmal, damit man die damaligen Schrecken und Verbrechen nicht vergisst. Doch was ist in Buchenwald passiert?

1937 wurde auf dem Ettersberg bei Weimar der Wald gerodet, um ein neues Konzentrations- und Arbeitslager zu errichten. Es entwickelte sich zu einem der größten Lager seiner Zeit. Ca. 280.000 Sinti und Roma, Juden, Homosexuelle, Wohnungslose, Zeugen Jehovas und Kriegsgefangene waren dort inhaftiert. Mehr als 56.000 Menschen starben durch Folter, Krankheiten, Vergasung, medizinische Experimente oder wurden erschossen.

Unsere Schule hat sich in diesem Schuljahr dazu entschlossen, diesen historischen Ort mit einer kleinen Gruppe, geleitet von Herr Koch und Frau Röhm, zu besuchen, um mehr über diesen zu erfahren.

Angetrieben von dem Gedanken, uns zu erinnern und bewusst zu machen, welch unmenschliches Leid die Ideologie der Abwertung des Anderen brachte, aber auch, dass Hass, Hetze, Diskriminierung und Rassismus keinen Platz mehr in Deutschland haben darf, haben wir uns als Gruppe dazu entschieden, an dem Projekt „Jeder Name zählt“ des Arolsen-Archivs teilzunehmen.

Das Arolsen-Archiv gehört seit 2013 zu dem UNESCO Weltdokumentenerbe und hat im Januar 2021 die Initiative „Jeder Name zählt.“ gestartet. Dabei sollen die Millionen von Häftlingskarten, die im Arolsen-Archiv nach dem Ende des nationalsozialistischen Unrechtsregimes gesammelt, aufbewahrt und eingescannt wurden, nun von vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern digitalisiert werden, damit die Menschen, die damals so gelitten haben, nicht in Vergessenheit geraten. Als wir als Gruppe damit angefangen haben, diese Initiative zu unterstützen, waren wir gar nicht darauf vorbereitet, wie schockierend es für jeden einzelnen von uns sein würde, auch ein Jahrhundert nach den schrecklichen Taten, mit diesen konfrontiert zu werden. Zu lesen und zu wissen, dass hinter jeder Häftlingskarte Menschen mit Gefühlen und Träumen standen, die aber durch die rassistische Ideologie zerstört wurden, hat uns sehr bewegt. Wir haben uns gefragt: Wer verbirgt sich hinter dieser Nummer? Was ist mit ihm passiert? Was fühlte er? Hatte er Angst oder noch Hoffnung? Starb dieser Mensch qualvoll.

Die Arbeit an den Häftlingskarten hat uns alle schwer beschäftigt und hat uns lange nachgehangen. Es stellten sich sowohl ein beklemmendes Gefühl der Machtlosigkeit ein, aber zugleich auch der Stärke, nämlich zu wissen, eine solche Ideologie niemals zu unterstützen.

[2/2021]


UNESCO-Projekt “everynamecounts”

#everynamecounts ist eine Aktion des Arolsen-Archivs. Es ist weltweit das größte Online-Archiv der Überlebenden und Opfer des Nationalsozialismus.

Sein Ziel ist es, ein digitales Denkmal für alle Opfer des Nationalsozialismus zu schaffen. Es möchte alle Daten über die Häftlinge in den Konzentrationslagern und den sonstigen Opfern der nationalistischen Verfolgung, auch die Daten der Zwangsarbeiter/innen in einer Datenbank erfassen. Diese Datenbank wird für jeden digital / im Internet zugänglich sein.

Das Arolsen-Archiv umfasst rund um 30 Millionen Dokumente, die bis 2025 eingescannt, und digital erfasst werden müssen. Dabei benötigen sie jede Hilfe, die sie kriegen können.

Die Albert-Schweitzer-Schule Offenbach zeigt sich wie immer engagiert und nimmt an diesem Projekt teil. Viele Schüler/innen haben in dieser Woche fleißig zuhause Daten eingegeben und somit dazu beigetragen, dass diese Namen nie wieder vergessen werden, denn “jeder Name zählt”. Die Identität dieser Menschen und die Zeit des Nationalsozialismus darf nicht in Vergessenheit geraten.

Jeder kann online, freiwillig und kostenlos, mithelfen. Vor allem aber auch sind die Daten wichtig für die Familienangehörigen, da die meisten erfahren möchten, was mit ihren Vorfahren geschehen ist. In den Dokumenten sind zahlreiche Informationen über die Häftlinge, wie zum Beispiel ihr Aussehen, ihr Wohn- und Geburtsort, weitere Familienangehörige und vieles mehr angegeben.

Die Schüler/innen der Albert-Schweitzer-Schule haben diese Daten in eine Datenbank eingetragen. Sie haben aus den Dokumenten gelernt und sich so mit dem Thema Verfolgung in der NS-Zeit befasst. Es ist kein großer Aufwand und doch eine riesige Hilfe und macht vor allem auch Spaß.

Zilan Tozlukaya (10f)