Ein besonderer Theaterabend

Der Q2-DSP-Kurs von Herrn Dr. Biccari besuchte das Theaterstück „Nach dem Absturz“ im Frankfurter Kellertheater.

Während wir Schüler:innen am Abend des 24. Juni 2022 mit Regenschirmen bewaffnet nacheinander in den Gewölben des Kellertheaters eintrudelten, waren viele Zuschauer:innen bereits im Foyer. Das Personal der hauseigenen Bar hatte alle Hände voll zu tun, das zahlreiche Publikum mit Snacks und Getränken zu versorgen. Als es dann losging, war der Ansturm groß und die besten Plätze schnell vergriffen. Das Kellertheater war ausgebucht und das zurecht. Der Einakter „Nach dem Absturz“, geschrieben und inszeniert von Herrn Biccari zusammen mit der Autorin Tamara Labas, zeigte uns Theater, wie wir es in theoretischer Form im Unterricht kennengelernt haben, einmal praktisch.

Vier Schauspieler:innen in vier verschiedenen Rollen präsentierten dem Publikum anschaulich ihre Lebensgeschichten. Die Bühne wurde als Ort einer Totenbeschwörung genutzt und die erste Überraschung gab es bereits zu Beginn des Stückes: Die Darstellerin des Ikarus (Emily Elßner) saß in einem aufwendigen Kostüm mit Lichtern bestückt hinten im Zuschauerraum. Mit ihrem Auftritt mitten in den Sitzreihen begann auch die Handlung. Der antike Mythos des Ikarus, welcher hoch flog und daraufhin tief abstürzte, wurde neu erzählt und interpretiert. Neben Ikarus treten die Figuren A und H auf, die durch die US-amerikanische Geschichte des Fliegens der letzten 100 Jahre inspiriert sind. Amelia Earhart, eine Pilotin, welche ebenfalls einen tiefen Absturz nicht überlebte sowie auch Howard Hughes, Sohn millionenschwerer Unternehmer, der nach dem Tod seiner Eltern immer weiter nach Erfolg strebte und daran schließlich scheiterte. Außerdem führte eine Tänzerin das Publikum durch den spannenden Theaterabend und begleitete das Geschehen auf der Bühne mit ihrer sinnlich-verstörenden Bewegungskunst. Mathias Hundts beeindruckende Arbeit am Video, Ton und Licht war ein weiterer zentraler Faktor für das gute Gelingen der Inszenierung.

Das vorwiegend postdramatische Theaterstück „Nach dem Absturz“ behandelt neben der Metapher von Flug und Absturz auch weitere Themen, allem voran die Geschlechterdiskriminierung, den Umgang mit elterlichen Erwartungshaltungen und patriarchalen Strukturen. Ebenfalls wirft es Fragen über das Weitermachen trotz schwerer Krisen auf und ob es einen Mittelweg gibt. Wie hoch darf man fliegen? Und ist es der Absturz wert, „für den Moment eines Augenblicks vereint mit der Größe des eigenen Ichs“ zu sein?

Nach der Aufführung gab es ein freiwilliges Gespräch zwischen Publikum und Ensemble, an welchem auch unser Kurs teilnahm. Das Gespräch klärte Fragen über die Handlung und über die gesamte Produktion. Dadurch wurde noch einmal deutlich, wie viel Arbeit in einer Dramaturgie und Inszenierung stecken. Doch wochenlanges Proben und harte Arbeit zahlten sich aus, denn das Theaterstück war ein voller Erfolg. Darüber hinaus war unser Theaterbesuch nicht nur ästhetischer Genuss, sondern auch Anlass für eine notenrelevante Hausaufgabe in Form einer Aufführungsanalyse nach Beobachtungsschwerpunkten des theatralen Zeichensystems.

Interessant ist außerdem, dass die Darsteller:innen keine professionellen Schauspieler:innen waren, sondern Ehemalige der Albert-Schweitzer-Schule, welche in ihrer Schulzeit wie wir Herrn Biccari im Fach Darstellendes Spiel hatten. Samar Angourani, Jasmina Ruzic (Abiturjahrgang 2013/14) und Simon Krasselt (Abiturjahrgang 2016/17) spielten mit großem Talent, Leidenschaft und Professionalität. Sie zeigten uns wie nachhaltig ein Unterricht sein kann, der auch Jahre später in der Lage ist, eine Brücke zwischen Schultheater und „Freie Szene“ zu schlagen. So gesehen, besteht auch für uns die Hoffnung, es in Zukunft auf die große Bühne zu schaffen. Doch Achtung vor dem Absturz…

Robin Herrmann [7/2022]

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