Historischer Stadtrundgang zum Thema „Jüdisches Leben in Offenbach“

Im Rahmen der Studienreise nach Dachau/München konnten Schülerinnen und Schüler der Q1 mit der Mitarbeiterin der Geschichtswerkstatt Offenbach – Frau Hauschke-Wicklaus – historische Einblicke in das Leben jüdischer Mitbürger Offenbachs gewinnen.Wer heutzutage die Straßen Offenbachs durchquert, findet bis auf einige „Stolpersteine“ nur noch wenig, was an ein Offenbach zu Zeiten der Judenverfolgung im Nationalsozialismus erinnert. Dennoch ist es bis heute eine nicht zu missachtende und bezüglich der damals in den Jahren 1933-1945 stattfindenden Entmenschlichung inhaltsreiche Stadt.

Diese Erfahrung durften die Teilnehmer*innen der wiederholt stattfindenden Studienreise nach Dachau/München, unter Leitung von Sabine Röhm und Peter Koch, am 7.11.22 bei einem ausführlichen Stadtrundgang, geleitet von Frau Hauschke-Wicklaus, machen.

Ihren Anfang findet die jüdische Geschichte Offenbachs dabei bereits zu Beginn des 17.
Jahrhunderts. Die anfänglich lediglich aus ca. 800 Einwohner*innen bestehende Stadt Offenbach stellte bereits lange vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges die Heimat von schätzungsweise 100 Juden dar. Besagte jüdische Bewohner*innen immigrierten unterdes meist aus Frankfurt und erlangten, aufgrund ihres hohen Selbstständigkeitsbestrebnisses, über die Jahrhunderte hinweg immer mehr an Wohlstand. Viele ehemalige von Juden gegründeten Offenbacher Großbetriebe, wie beispielsweise das Kaufhaus Wronker, das Kaufhaus Strauss, Firma Wiener, Tiez oder auch das bekannte Kaufhaus Oppenheimer wurden erfolgreich geleitet und wuchsen ständig.

Auch andere Berufe, wie Lehrer*innen, Notar*innen oder Ärzt*innen, wurden wie selbstverständlich von Offenbacher Juden ausgeübt. Erst ab 1933 erfolgte auch in Offenbach schrittweise die Arisierung der Offenbacher Bevölkerung. Zudem wurde ein erstmaliges Verbot der Unterrichtsteilnahme jüdischer Kinder, wie auch eines, hinsichtlich der Unterrichtung durch jüdische Lehrkräfte, eingeführt. Deutsche Juden waren fortan zur Emigration gedrängt und mussten zudem Vermögensabgaben an den deutschen Staat zahlen.

Diese Nötigungen hatten große Armut zur Folge und beraubten viele ihres über Generationen hinweg hart erarbeiteten Vermögens. Ab dem 9. November 1938 – der Reichspogromnacht – wurde schließlich das Berufsverbot auch auf jüdische Ärzt*innen und Notar*innen erweitert und viele nicht bereits immigrierte Offenbacher Juden in KZs oder Arbeitslager deportiert.

Ein Beispiel hierfür stellt die Familie Strauss dar. Jakob Strauss, ehemaliger Lehrer, war mit Beginn der Nazizeit zum „jüdischen Gemeindesekretär“ Offenbachs ernannt worden und somit in großen Teilen für die Durchführung der Emigration von Juden zuständig. Aufgrund eines falsch entgegengenommenen Anrufs wurde jedoch auch Jakob Strauss ins KZ Buchenwald deportiert und dort von NS-Beauftragten ermordet.

Ein aktueller, aber dennoch historische Bezugspunkt der jüdischen Geschichte Offenbachs ist die in der heutigen Kaiserstraße befindliche ehemalige Synagoge, heute bekannt als das „Capitol“.

Die Studiengruppe wünscht sich, repräsentativ für die jüdischen Opfer Offenbachs der NS-Zeit, ein fortwährendes, gemeinsames Erinnern, vertreten durch die zahlreichen Stolpersteine, von jedem mit Respekt betrachtet, und in Gedenken an die vielen verstorbenen und mitunter gefolterten jüdischen Mitbürger zu Zeiten der deutschen Judenverfolgung.Gwen Gründel (Q1)

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