Bericht der Arbeitsgruppen
Am Donnerstag, dem 31. März 2011 musste der naturwissenschaftliche Nachmittagsunterricht ausfallen. Viele Schüler, Schülerinnen und Eltern fragten sich zu Recht: „Was machen die Lehrer an diesem Nachmittag?“ und vor allem: „Leidet nicht die Qualität des Unterrichts, wenn so viele Stunden ausfallen?“. Daher möchte ich gerne von unserer Arbeit berichten.

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In den PISA-Studien der OECD werden seit dem Jahr 2000 im dreijährigen Turnus Schulleistungsuntersuchungen durchgeführt, die zum Ziel haben, alltags- und berufsrelevante Kenntnisse und Fähigkeiten 15-Jähriger zu messen. Die Veröffentlichung der ersten PISA-Ergebnisse Ende 2001, bei der sich das Bildungsland Deutschland im internationalen Vergleich in allen getesteten Bereichen auf den mittleren Rängen wiederfand, erzielte ein so überwältigendes Medien-Echo, dass bald von einem „PISA-Schock“ gesprochen wurde.
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Als Reaktion auf die PISA-Studie beschloss die Kultusministerkonferenz (KMK) 2002 einstimmig einen Umbau der Steuerung der Schulsysteme in Deutschland.  An Stelle der Lehrpläne wird das Kernkurrikulum die verbindliche Grundlage für die Unterrichtsplanung an Schulen in Hessen darstellen. Praktisch bedeutet das, dass das Wissen an den Schulen nicht mehr um des Wissens willen vermittelt werden soll, sondern dass der Lernprozess selbst im Mittelpunkt steht. Die Schülerinnen und Schüler sollen so neue Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen erwerben, die ihnen helfen sollen, Probleme zu erkennen und erfolgreich zu lösen. Dabei gewinnen die Lernenden Kompetenzen, die sie auch außerhalb der Schule in Leben und Alltag einsetzen können.
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Da Kompetenzen als Verbindung von Wissen und Können verstanden werden, müssen sie individuell erworben werden. Sie können nicht durch eine Lehrperson `gelehrt` oder vermittelt werden. Daher besteht die Aufgabe der Lehrkräfte darin, im Rahmen eines kompetenzorientierten Unterrichtens geeignete Themen und Materialien anzubieten, die Lernenden mit unterschiedlichen Voraussetzungen erfolgreiche Lernprozesse ermöglichen.
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Die Planung und Umsetzung eines solchen Unterrichtskonzepts muss aber zuvor von den Lehrkräften gelernt werden! Daher entschied sich der naturwissenschaftliche Fachbereich der Albert Schweitzer-Schule per Abstimmung und in Absprache mit der Schulleitung, an der zweiten Welle der Qualifizierungsreihe „Kompetenzorientiertes Unterrichten in Mathematik und Naturwissenschaften“ teilzunehmen. Am 7. Dezember 2009 trafen sich Vertreter von 120 Schulen zur Auftaktveranstaltung in Frankfurt. Frau Besch und ich wurden dazu in der Rolle als Schulkoordinatorinnen abgeordnet.
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Seitdem haben wir beide an den Fortbildungsveranstaltungen des Amts für Lehrerbildung für Schulkoordinatoren teilgenommen, haben vier Fortbildungsveranstaltungen für die Kollegen im Fachbereich Naturwissenschaften organisiert und vier Projektkonferenzen moderiert. Zusätzlich haben wir Arbeitsgruppen in den Fächern Chemie, Physik und Biologie ins Leben gerufen, die sich in unterrichtsfreien Zeiten regelmäßig treffen, um Materialien für kompetenzorientierten Unterricht zu entwickeln. Diese Materialien haben wir am 14. April auf der Ideenbörse des Staatlichen Schulamts Offenbach in der Heinrich-Mann-Schule in Dietzenbach präsentiert.
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Wie hat nun unsere Schule durch die Teilnahme an der Qualifizierungsreihe profitiert? Wir Lehrer haben zum Einen in unseren Fortbildungsveranstaltungen viele Informationen und Anregungen zum kompetenzorientierten Unterrichten erhalten. Weitaus wichtiger ist aber, dass wir im Team geeignetes Unterrichtsmaterial entwickelt und bereits im Unterricht erprobt haben. Wir haben festgestellt, dass wir zur Umsetzung der neuen Unterrichtskonzepte unsere Kräfte bündeln müssen, um weiterhin gemeinsam in Arbeitsgruppen Unterrichtsmaterialien zu besprechen, auszutauschen oder zu entwickeln. Wir hoffen daher, dass die Schüler und Schülerinnen der Albert Schweitzer-Schule in unserem Unterricht etwas lernen, das im Leben wichtig ist und eben nicht nur, weil es in der nächsten Klassenarbeit verlangt werden könnte.
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Dr. Kerstin Henkel
(Schulkoordinatorin für kompetenzorientiertes Unterrichten in Mathematik und Naturwissenschaften)
[Juni 2011]